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„industrie.de wird unsere Top-URL.“

Wandel ist schon seit einigen Jahren das permanente Credo der Medienwelt. Was BILD, Spiegel und Co. machen, das bekommt man als Medienarbeiter und Kommunikations-Experte täglich über die einschlägigen Newsletter serviert. Doch wo stehen die Fachmedien? Welche Schritte gehen sie? Und was sind ihre neuesten Pferde im Stall? Mit diesen Fragen wollen wir uns künftig in der losen Interview-Serie „Medien im Wandel“ beschäftigen.

Der Konradin Verlag ist eines der bedeutenden Traditionshäuser für Fachinformationen in Deutschland. 1929 von Robert Kohlhammer gegründet, hat das Unternehmen mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen heute 600 Mitarbeiter und veröffentlicht 40 Fachtitel in 7 Themenbereichen. Mit Bild der Wissenschaft, dem Industrieanzeiger oder der Beschaffung Aktuell sind absolut führende Titel in ihren Bereichen darunter. Im Interview spricht Werner Götz, Mitglied des Management Boards und Chefredakteur der Fachzeitschrift Industrieanzeiger, über die Online-Aktivitäten im Industriebereich, das Verhältnis zwischen bezahlten und redaktionellen Inhalten und den Kontakt zu Unternehmen und Agenturen.

Werner Götz, Mitglied des Management Boards und Chefredakteur der Fachzeitschrift Industrieanzeiger

Werner Götz, Mitglied des Management Boards und Chefredakteur der Fachzeitschrift

Heidrun Haug (HH): Konradin besitzt mit „industrie.de“ eine super gute URL, die bislang eher ein Schattendasein führt. Was tut Konradin, um daraus mehr Nutzen zu ziehen?

Werner Götz (WG): Schattendasein war früher. Seit gut einem Monat ist die neue URL online. Der Verlag hat 2016 die gesamte Struktur der Websites der Industriegruppe komplett neu konzipiert, industrie.de nun als Dachmarke etabliert. Neben der neuen technischen Plattform basierend auf WordPress haben sich zudem die Inhalte auf industrie.de geändert. Die Website beinhaltet nicht mehr die Printinhalte der Zeitschriften als Zweitverwertung, sondern bietet eigene Beiträge, die von einer eigenen Online-Redaktion kommen. Verknüpft wird industrie.de mit den Websites der Zeitschriften über wechselnde Schaufenster. Sie fassen thematisch passende Themen über die Zeitschriften hinweg zusammen.

Natürlich dauert es nach einem Domainumzug eine Weile, bis Google die Inhalte und Seite entsprechend dem Stellenwert rankt. Zumal mit den Inhalten bei null begonnen wurde. Dennoch haben wir nach gerade vier Wochen schon höhere Zugriffszahlen als zuvor bei der alten Seite. Auch ist die Verweildauer bei den Artikeln deutlich höher, die Absprungrate zudem sehr stark gesunken. Das zeigt, dass wir mit der Qualität und den Inhalten auf dem richtigen Weg sind. Aber noch sind wir nicht bei den Zahlen, die wir erwarten. Dafür ist es zu früh.

HH: Wo liegt künftig die Attraktivität für Leser und Kunden? Warum sollen Unternehmen bei industrie.de vertreten sein – und dafür bezahlen?

WG: industrie.de hat eine klar definierte Zielgruppe mit den Themen Technik, Management und Karriere und den entsprechenden Inhalten. Wir sprechen gezielt die Inhaber und Geschäftsführer, die kaufmännische wie technische Leitungsfunktion in kleinen und mittleren Unternehmen an sowie die mittlere Führungsebene größerer Unternehmen. Hier finden die Entscheider wichtige Informationen und Inhalte, um ihr Unternehmen erfolgreich führen zu können. Zum Beispiel um rechtzeitig auf den Wandel der Industrie etwa bei der Digitalisierung, Stichwort Industrie 4.0, zu reagieren. Mit Karriere sprechen wir zudem neben berufserfahrenen Menschen, die sich für Weiterbildungsthemen interessieren, auch Studenten der höheren Semester an, zur Nachwuchsgewinnung. Wobei die Themenbereiche nichts Starres sind, sie passen sich den Entwicklungen in der Industrie an. So kommt das eine oder andere sicherlich hinzu. Regelmäßig angepasst und ausgebaut werden zum Beispiel schon die Top-Themen.

Redaktion ist immer kostenfrei, aber keine reine PR. Dafür muss bezahlt werden, wie für Whitepaper, Displaywerbung, Leads, native Advertising und was sonst so auf der Marketingebene noch möglich ist. Der Werbetreibende erreicht mit industrie.de eine exakt definierte Zielgruppe auf einer Domain, die für sich selbst spricht. industrie.de hatte bis dato schon immer eine sehr gute Sichtbarkeit bei Google, was wir weiter steigern werden. Nur nicht immer die adäquaten Inhalte. Zudem wird industrie.de im Zusammenspiel mit den einzelnen Websites der Zeitschriften kampagnenfähig sein.

HH: Die Fachpresse wird immer stärker zur Marketingplattform. Wie sehen Sie das Verhältnis zwischen bezahlten und redaktionellen Inhalten? Wo bleibt die unabhängige Berichterstattung?

WG: Den Leser interessiert erstmal weniger, ob Inhalte unabhängig von Redaktionen kommen oder von Firmen, wenn denn die Qualität stimmt. Auch wenn das manche auf Seiten der Redaktionen nicht gern hören. Ausschlaggebend ist der Inhalt, der Wert der Information für ihn. Wichtig ist jedoch, dass der Leser erkennt, ob dafür Geld geflossen ist oder nicht. Und das kann er auf industrie.de erkennen. Leider ist der Nutzer häufig derzeit kaum bereit, für Informationen Geld zu bezahlen. Micro-Payment rechnet sich nicht wirklich. Für Abonnenten ließe sich ein zusätzlicher Bereich einrichten mit weiteren Inhalten und Dienstleistungen, das aber ist noch Zukunft.

Unabhängig bleibt die Redaktion insofern, als dass es keine Rolle spielt, ob ein Beitrag etwa von einem Kunden oder Nichtkunden angeboten wird. Der Inhalt, die Information entscheidet, ob der Beitrag redaktionell verwendet wird oder nicht. Zudem werden Inhalte auch exklusiv erstellt. Dem Werbetreibenden bringt es nichts, wenn die Seite von der anvisierten Zielgruppe mangels Qualität nicht genutzt wird. Klicks sind das eine, die kann man auch billig kaufen, die richtigen Klicks aber sind sehr wertvoll. Masse macht noch lange keinen Umsatz.

HH: Also gilt künftig nicht, dass nur zahlende Kunden redaktionell beachtet werden?

WG: Definitiv nein. Jede Redaktion muss auch in Zukunft dem Leser verpflichtet bleiben. Ob etwas veröffentlicht wird, entscheidet wie gesagt der Inhalt. Ohne Qualität springt der Leser ab, dann haben auch die Werbetreibenden nichts davon. Klar ist aber auch, keine Zeitschrift kann von den Abos allein leben. Deswegen ist eine enge Zusammenarbeit mit werbenden Firmen ebenso wichtig, das geht fair und auf Augenhöhe, ohne in Hofberichterstattung abzugleiten. Das ist manchmal auch eine Gratwanderung.

HH: Wie sehen Sie als Medienvertreter die Rolle einer Agentur wie Storymaker? Welche Anforderungen haben Sie?

WG: Eine Agentur kann Redaktionen entlasten, kann gute und informative Inhalte und Beiträge zuliefern. Sie ist auch immer wieder Vermittler zu interessanten Unternehmen und Themen und geschätzter Partner. Agenturen müssen sich aber auch darüber klar sein, dass, ich sage mal, „primitive PR“ keinen Anklang und auch keine Veröffentlichung findet. Inhaltlich und qualitativ gelten für Beiträge die gleichen Regeln wie für redaktionell erstellte. Agenturen stehen zudem nicht selten zwischen ihrem Kunden und den Redaktionen. Dessen müssen sie sich bewusst sein. Dies ist nicht immer einfach. Können die Interessen zwischen Auftraggeber und Redaktion doch schon mal differieren.

Wichtig ist auch, Agenturen, die ausschließlich auf der PR-Seite agieren und mit Argumenten wie „sparen Sie sich die Werbung, wir sorgen für billigere, aber wertvollere PR“ auf die Kunden zugehen; die finden in Redaktionen keinen Abnehmer für ihre Beiträge. Das bekommen wir auch mit. Diese sind aber recht selten, Storymaker gehört definitiv nicht dazu.

HH: Der Markt der Fachzeitschriften ist heiß umkämpft. Wie entwickelt sich der Geschäftsbereich Industrie bei Konradin?

WG: Wir können 2016 Steigerungsraten vorweisen, auch im klassischen Printbereich. Natürlich wächst Online schneller, aber von einer deutlich geringeren Basis aus. In einzelnen Bereichen legt der Printbereich sogar zweistellig zu. Eine zunehmend wichtige Rolle spielen zudem Events, die wir alleine stemmen oder zusammen mit industriellen Partnern.

HH: Was sind die großen Projekte bei Konradin in 2017?

WG: Für mich heißt es erst einmal, die neuen Webseiten und industrie.de weiter zu entwickeln und noch besser zu etablieren. Im Online-Bereich ist Konsolidierung angesagt.

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