Storyblogger - Weblog für Public Relations

Der Ruin für kleine PR-Agenturen?

von Björn Eichstädt

Der Vorstoß von Axel Springer ist spannend. Gewerbliche Nutzung von Verlagsinhalten soll künftig nicht mehr kostenfrei möglich sein. Auf den ersten Blick ein spannender Vorstoß, auf den zweiten Blick komme ich ins Grübeln. Denn je nachdem, wie viel die Nutzung kosten soll und wie viele Verlage und Angebote sich anschließen würden, könnte da schon ein ganz schönes Sümmchen zusammenkommen. Leidtragende wären vor allem die, deren Arbeit vor allem von Medien bestimmt ist. Denn wenn ein PR-Schaffender künftig jede professionelle Website, die er sich aus Recherchegründen ansehen muss, bezahlen müsste, dann wäre das gerade für Einzelkämpfer und Kleinstagenturen kurz nach Gründung ein spannender Kostenfaktor. Ich habe das noch nicht genau durchdacht. Aber ein Problem sehe ich für Medienschaffende schon. Meinungen?

Das Erdschichtenmodell der Online-Kommunikation

von Björn Eichstädt

In den Wirren von Social Media und Corporate Media, von Twitter, Facebook, Xing, Website, Newsletter und Co. geht derzeit manch einer unter. Wer sich nicht ausführlich mit den aktuellen Entwicklungen in der Online-Kommunikation befasst, der sieht den Wald oft vor lauter Bäumen nicht mehr. Das ist mir in den vergangenen Wochen und Monaten bei diversen Schulungen und Seminaren immer wieder aufgefallen. Und ich bin mir auch immer klarer darüber geworden, dass wir eingängigere Modelle brauchen, um denjenigen, die nicht von morgens bis abends bei Twitter sind, die Welt der Online-Kommunikation begreiflicher machen. Denn die Gefahr, dass die Experten die Einsteiger abhängen, scheint mir immer mehr gegeben. Und das sollte professionellen Beratern eigentlich nicht passieren.

Deshalb hier ein erster Versuch als Video: “Das Erdschichtenmodell der Online-Kommunikation”. Ich bin gespannt auf Reaktionen. Ganz klar: Das ist eine Skizze, über Ergänzungen freue ich mich.

Zusammengefasst:

Im Kern: Die Hostingplattformen, die Content vor allem im Hintergrund halten.

In der Mitte: Die Corporate Media wie Website, Blog oder Newsletter, die sowohl dem Hosting von Content dienen können, als auch der primären Kommunikation

Auf der Erdoberfläche: Die Kommunikations-Touchpoints und -plattformen

Google Buzz oder Die nächste Innovation lauert beim Inhalt

von Björn Eichstädt

Google Buzz. Eine Verknüpfung von Ideen und Kanälen. Irgendwie Mail, Facebook, Twitter und alles andere. Zusammengebaut von Google, dem mächtigsten und an vielen Stellen auch innovativsten Internetunternehmen des Planeten. Lokalisieren geht auch, weshalb es Foursquare mit der Angst zu tun bekommt. Vielleicht. Und ich? Ein einstmals Begeisterter, einer der in Social Media viel Innovation sieht, zucke nur mit den Schultern. Ja, eine neue Art zu verknüpfen, noch mehr zu vernetzen, noch mehr zu diskutieren, noch mehr, noch schneller. Aber ganz ehrlich: es interessiert mich kaum mehr. Und ich glaube auch nicht, dass weitere Plattform- und Tool-Innovationen das Social-Media-Thema in Zukunft treiben werden.

Google Buzz. Ist für mich auch ein Symbol. Schon der Name sagt auf der Metaebene viel. Denn das Tool sorgt für Buzz (idealerweise) und ist Buzz (in seiner eigenen Verbreitung). Aber ist Buzz das, was wir brauchen. Das, was auch die Unternehmen stärker in Richtung Social Media führen wird? Ich glaube nein. Die Verantwortlichen in Unternehmen, mit denen ich täglich zu tun habe, sind froh, wenn sie die bisherigen Tools der Social Media unter einen Hut bekommen. Wenn sie verstehen, wie Twitter, Facebook, Xing, YouTube, Slideshare und Co zusammenspielen können und welche Inhalte – !!! – sie über diese Kanäle kommunizieren können und wie sie hier in Interaktion mit ihren Zielgruppen treten können. Eine weitere Produktinnovation, die doch wieder nur eine weitere Zerfaserung ist, führt hier nicht dazu, dass etwas weitergeht. Und auch das müssen wir uns als professionelle Kommunikatoren klar machen.

Google Buzz. Aus meiner Sicht ist Google Buzz auch der Punkt, an dem sich inhaltliche Kommunikationsberater von der Tool-Anhäufung verabschieden und sich wieder mehr auf den Inhalt konzentrieren sollten. Wer mal ernsthaft schaut, was die PRler und Werber und anderen Kommunikatoren da täglich über Twitter oder Facebook jagen, der weiß vor allem eines: Um Inhalte, um wirkliche Stories geht es zunehmend selten. Die Verwunderung ist dann sehr groß, dass so wenig erfolgreiche Kampagnen laufen und auf den Kongressen immer die gleichen “Best Practices” zu sehen und hören sind. Ja. Sowas. Die nächste Innovation der Social Media lauert deshalb nicht in den Tools -sie lauert beim Inhalt. Da gehört sie auch hin.

Ganzheitlichkeit oder Kontrolle vs. Freiheit?

von Björn Eichstädt

Seit Apple das iPad vorgestellt hat, gibt es einige Diskussionen in der Öffentlichkeit, die sich ähnlich anhören wie die bereits früher gestarteten Debatten zu “App vs. Browser” und “Paid vs. Free Content”. PR-Kollege Mirko Lange hat zuletzt in seinem Agentur-Blog das Thema unter dem Schlagwort “Freiheit vs. Kontrolle” durchdacht. Ich bitte die Leser hier, sich diesen Beitrag zunächst durchzulesen, damit ich hier nicht alle Inhalte wiederholen muss.

Worum es mir in diesem Beitrag vor allem geht ist: Sind die “Social Media” tatsächlich “Freiheit”, ist die Suche über Google eine Analogie für Freiheit? Und ist das System Apple wirklich eines der “Kontrolle”. Oder ist es nicht so wie so oft in der Medienwelt: Eignen sich vermeintlich dualistische Gegensatzpaare wie “Kontrolle GEGEN Freiheit” nicht vor allem dazu, um eine knackige These und Headline zu formulieren, die mit der Realtwelt wenig zu tun hat? Müssen wir also sowohl das System Apple als auch das System Google als auch das System Internet oder das System Welt viel ganzheitlicher betrachten?

Erstmal die These “Apple als Sinnbild des Systems Kontrolle” und die These “Google als Sinnbild des Systems Freiheit”. Das Ganze macht sich oft fest an der Frage “Apps vs. Browser”. Also erstmal zu dieser Frage:

Browser: Seit 2003 verfügt Apple über den Browser Safari. Dieser Broswer ist auf allen Macs, dem iPhone, dem iPod und auch dem iPad vorintegriert. Bei iPhones, iPod-Touchs und iPads wird derzeit kein Flash unterstützt. Google verfügt über den Browser Chrome, der 2008 veröffentlicht wurde. Chrome kann Flash. Ansonsten sehe ich hier keinerlei Vorteile von Google und auch keine stärkere Unterstützung des Browsers durch Google. Oder übersehe ich hier was?Firefox läuft auch auf meinem Mac 1A. Wie es mit der Installierung anderer Browser als Chrome auf den Google-Hardware-Produkten der Zukunft aussehen wird, weiß ich noch nicht. Firefox für Android ist angekündigt. Meines Wissens nach aber noch nicht da. Dass Apple hier allerdings den freien Webzugang verhindert bzw. Apps bevorzugt, kann ich beim besten Willen nicht erkennen.

Apps: Sowohl Google als auch Apple unterstützen Apps. Apple sicherlich derzeit noch erfolgreicher. Der App Store ist aber auch schon länger im Markt als der Android Market. Auch Google unterstützt aber ganz offensichtlich das Prinzip Apps. Unterschied ist, dass Apple noch ein Prinzip der Qualitätskontrolle und von Regeln eingezogen hat und einige Anwendungen es nicht in den App Store schaffen. Das ist Kontrolle. Ob diese Kontrolle allerdings die Freiheit einschränkt oder ob sie diese fördert, das ist eine ganz andere Frage. Die klaren Regeln des App Stores haben Entwickler jedenfalls nicht daran gehindert, dass sie unglaubliche Apps geschaffen haben. Vielleicht kann man innerhalb klarer Grenzen sogar kreativer sein? Ich hab dieses Gefühl jedenfalls schon oft im Umfeld von Bandprojekten etc. gehabt.

Sowohl Apple als auch Google unterstützten also Browser und Apps. Nicht nur das: Sie haben beide ein App-System und einen eigenen Browser. Und fokussieren dies auch im Markt.

iTunes und Co versus Google Suche: Ein anderer Aspekt, den man sich anschauen könnte: Schränkt ein geschlossenes System wie iTunes die Suche ein? Respektive: Ist die Google Suche die absolute Freiheit? In Chris Andersons “The Long Tail” werden sowohl der iTunes Store als auch die Google-Suche als Long-Tail-Maschinen beschrieben. Eigentlich folgen beide dem gleichen Prinzip: Im Prinzip ist über eine ganz einfache Oberfläche alles dahinter zu finden. Auch die Google-Suche hilft ja nicht, “das ganze Web” zu sehen. Hier können durch SEO-Maßnahmen bestimmte “Experten” ihre Seiten prominenter positionieren. Wer ahnt, was die Google-Suchmaschine präferiert, kann entsprechend agieren. Wer mehr Zeit und Aufwand in die Seitenpflege stecken kann und diese im Netz bewirbt und verlinkt, hat deutliche Vorteile. Hier ist Freiheit vor allem die Freiheit der Professionellen und der Vernetzten. Die Google Suche ist ja gerade deshalb erfolgreich geworden, weil sie den Einstieg ins Netz “erleichtert”. Also: Komplexität reduziert. Ähnlich wie das der iTunes Store macht. Oder der Einstieg über eine App. Ich wage sogar zu behaupten: Die Google Suche macht eigentlich nichts anderes als eine Web-App. Sie baut ein einfaches Interface vor die Komplexität des Netzes. Und genau deshalb ist sie so erfolgreich.

Dass Apple sich immer mehr sein eigenes System bastelt: Geräte, Apps, Stores, iTunes, iBooks etc. ähnelt im Prinzip dem Vorgehen von Google: nach der Suche die Mails, dann die Docs, Maps, Google Earth, Street View, Wave…. es ist die natürliche Entwicklung eines Unternehmens, das erfolgreich ist. Es breitet sich aus. Es bringt mehr Dinge unter seine “Kontrolle” und reduziert damit die Auswahl / Komplexität für diejenigen, die sich nicht bewusst für Vielfalt entscheiden.

Ich behaupte also: Sowohl Google als auch Apple sind sehr gut und extrem intelligent geführte Firmen. Also setzen beide auf alles, das Erfolg verspricht. Auf den Browser, auf die App, auf die Freiheit, auf die Einschränkung, auf die Kontrolle, auf eigene Geräte, auf die Ganzheitlichkeit. Das Problem, dass irgendwann mal alles von einem Anbieter dominiert wird, sehe ich sowohl bei Google als auch bei Apple. Darüber sollte man in der Tat nachdenken. Aber keines der beiden Unternehmen steht analog für Freiheit oder für Kontrolle. Beide machen ähnliches und sind gerade deshalb Konkurrenten. Vielleicht stellen sie ihre Aktivitäten anders dar. Aber das sollten gerade Kommunikatoren erkennen. Aus meiner Sicht gibt es unter den großen innovativen Anbietern im Web: Apple, Google, Microsoft, Facebook keinen, der für ein anderes Prinzip steht als: den Versuch eine maximal große Wertschöpfungskette unter seinem Dach zu vereinen.

Fit für die Krise in China

von Agnes Grill

Hohes Tempo, zunehmend nationalistische Berichterstattung in den Medien und anti-ausländische Kampagnen im Internet: das sind nur einige der Herausforderungen, denen sich ausländische Unternehmen im chinesischen Geschäftsleben stellen müssen. Wie diese ihr Ansehen in China verteidigen und Krisensituationen am besten bewältigen können, war vergangene Woche Thema beim vierten Sino-German Communication Forum in Peking, das Storymaker initiierte und gemeinsam mit dem German Center veranstaltet.

Erst kürzlich in Peking angekommen und neu im chinesischen Storymaker Team, war die Veranstaltung für mich besonders lehrreich. „Wer Geschäfte in China macht, muss unterscheiden lernen, welche Krisen besiegt werden können und welche nicht”, lautet die zentrale Botschaft, die ich aus der Rede von Keynote-Sprecher Alistair Nicholas mitgenommen habe. Der Australier ist einer der bekanntesten Experten für Krisenkommunikation in China und gründete 2003 sein eigenes Beratungsunternehmen, AC Capital Strategic Consulting, mit Sitz in Peking.

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Krisen-erprobt: Alistair Nicholas

Nicholas ist ein hervorragender  Redner und sein Thema spannend wie ein Krimi. Bevor ich auf die Uhr sehen konnte, war eine Stunde vorbei und ich hatte viel gelernt – darüber, dass in einer Krise für die Öffentlichkeit immer die Wahrheit und offensichtliche Reue zählt, dass die Beschwerde eines einzelnen Kunden ausreichte, um einen großen ausländischen Mobiltelefonhersteller in eine verherende Krise zu stürzen, dass ein Skandal in der Fabrik nur eines Produzenten die gesamte chinesische Mondkuchen-Industrie zum Einbruch brachte und, dass auch ein Krisen-Experte selbst nicht vor Angriffen Dritter auf seine Website geschützt ist. Bereits zwei Mal wurde Alistair Nicholas das Opfer von Hacker-Angriffen, konnte tagelang nichts in seinen Blog schreiben oder wurde plötzlich zur Angebotsseite für Sex-Dienste. Nun hat er beschlossen, seine Server alle ins Ausland zu verlagern.

Den Schwerpunkt seines Vortrags legte er auf eine professionelle Vorbereitung, die jedes Unternehmen – nicht nur in China – durchführen sollte:
- Ein systematischer Ansatz, der es ermöglicht, die Art der Krise zu definieren, in der sich das Unternehmen befindet – und ob diese es wert ist, bekämpft zu werden oder nicht.
- Ein regelmäßig aktualisiertes Risikoprofil, ein Risikomanagementplan und eine Strategie für den Umgang mit möglichen Krisenenszenarios.
- Ein ausgebildetes Krisenteam und ein Unternehmenssprecher, der für den Umgang mit der Presse und der Öffentlichkeit während der Krise trainiert ist.
- In der Krisensituation nicht die Medienkontakte in den Vordergrund zu stellen sondern die Unterstützung einer breit gefächerten Gruppe von Interessensbildnern zu gewinnen.

Der Krisen-Experte, der viele Jahre in der PR-Agentur Edelman als Berater tätig war, warnte vor  Mythen des Krisenmanagements in China: Beziehungen zur Regierung oder Freundschaft zu Journalisten sind in der Krise genauso schnell vergessen, wie das bisherige Engagement des betroffenen Unternehmens für das Land. Deshalb ist es besser, wenn Unternehmen seine Dienste anfragen…

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Öffentlich-rechtlicher Rundfunk mit Apps

von Björn Eichstädt

Es war eher ein Zufall: Weil mich eine bestimmte WDR-Sendung interessiert, die oft zu einer Zeit läuft, in der ich unterwegs bin, suchte ich im App-Store von Apple und fand eine offizielle iPhone App des WDR. Spannend. Noch spannender, dass fast alle ARD-Sendeanstalten, der SWR, der BR, der HR etc. eigene kostenlose, teilweise unglaublich umfangreiche Apps zur Verfügung stellen.

Eine faszinierende Erkenntnis, nachdem ich aufgrund des Streits um die Tagesschau App fest davon ausgegangen war, dass die öffentlich-rechtlichen Sender noch NICHT offiziell auf dem iPhone vertreten sind. Denn der Streit drehte sich ja immer darum, dass eine kostenlose Informations-App (die ja auch Radiosender bereitstellen) die Chancen auf Paid-Content-Modelle verringert. Ja, was denn nun?

Die asynchrone Timeline oder: Beschleunigung bei Twitter

von Björn Eichstädt

Timelines werden die neue Herausforderung in der Social-Media-Kommunikation – das wird mir immer bewusster. Denn jetzt, wo sich die Early-Adopter so ziemlich alle in Sphären oberhalb von 1.000 Followern bei Twitter oder 500 Kontakten bei XING befinden, taucht ein interessantes Phänomen auf. Die asynchrone Timeline.

In letzter Zeit ist es mir immer wieder passiert, dass mich Follower bei Twitter angeschrieben haben, mit dem Tenor: Sie twittern zu viel. Sie verstopfen meine Timeline. Und so weiter. Erst war ich verwundert, dann schaute ich mir meine Tweets im Kontext (meiner!) Gesamt-Timeline an und dachte: wieso, ist doch gar nicht so viel, andere twittern mehr. Und dann fing ich an mir Gedanken zu machen: Als wir 2008, Anfang 2009 anfingen, da hatten alle in etwa den gleichen Follower-Stand. Langsam wurden es mehr, aber man entwickelte sich kontinuierlich miteinander voran. Man folgte selbst immer mehr Personen, konsolidierte und pendelte sich schließlich bei ein paar hundert “Followings” ein. Die Timeline rauschte an einem vorbei und man gewöhnte sich peu à peu an die Geschwindigkeit. Doch mit der großen Twitter-Welle kamen immer mehr Twitterer hinzu. Die folgten erst ihren Freunden, die im Zweifel einmal am Tag einen Tweet absetzten, und dann vielleicht mir oder einem anderen “Viel-Twitterer”. Und natürlich: vermutlich sahen diese Personen unter 20 Tweets, 19 von mir. Ein Problem. Denn die Geschwindigkeit meiner Timeline unterscheidet sich signifikant von der desjenigen, der gerade erst mit Twitter beginnt.

Und jetzt kommt die klassische Frage, die jeder Kommunikationsberater kennt, der mit seinen Kunden auch über Social Media spricht: “Wie oft muss ich denn einen Tweet absetzen, um wahrgenommen zu werden?”… Bei Betrachtung der “asynchronen Timeline” muss ich sagen… hmmmmm…. es kommt drauf an, ob sie die Viel- oder die Wenigtwitterer erreichen wollen. Und ähnlich scheint mir das der Fall zu sein mit der Statusmeldung bei XING. Je nachdem wie viele Kontakte eine Person hat, ändert sich die Geschwindigkeit seiner Timeline. Der Faktor “Speed” ist also nicht zu verachten. Menschen leben auch im Netz in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Sie unterscheiden sich nicht nur signifikant vom Offliner, sondern auch untereinander. Das könnte wichtig werden für die Wahrnehmbarkeit von Twitter-Accounts von Unternehmen. Aber was man dagegen tun kann, das weiß ich selbst noch nicht so genau. Da würde mich auch Eure Meinung interessieren.

Formspring oder das Ende der Transparenz

von Björn Eichstädt

Wer noch nie von Formspring gehört hat, der gehört sicherlich zu einer Mehrheit. Bis vor ein paar Tagen war mir dieses neue Lieblingsobjekt der PRler 2.0 ebenfalls unbekannt. Doch dann konnte ich schon einen gewissen Reiz an dem Tool entdecken – denn ein öffentliches Q&A-Board mit direkter Integration in die etablierten Social-Media-Kanäle wie Twitter und Facebook – das hat doch seinen Reiz.

Problematisch wurde Formspring für mich, als ich mir ein paar Dutzend öffentliche Profile ansah. Vor allem die Tatsache, dass hier auch Fragen gestellt werden können, OHNE dass man sich identifizieren, also einloggen, muss. Das Pro-Argument, das mir sofort aus Twitter entgegenkam (von vielerlei Seite): So können auch kritische Fragen gestellt werden, selbst wenn sich der Fragende nicht “traut”, sich zu öffnen. Ja, das könnte die positive Ausnahme sein. Nachdem ich ein eigenes Profil für mich und Storymaker eingerichtet hatte wurde mir allerdings schnell klar, was anonymes Fragen auch bedeuten kann: genau das, was es in öffentlichen Foren und bei den dort zurecht kritisierten, anonymen Postings bedeutet. Zum Glück MUSS man nicht alle Fragen beantworten – und nicht beantwortete Fragen werden auch nicht angezeigt, durchaus aber auch ein Grund für Fragende noch einmal, wieder anonym versteht sich, hinterher zu pöbeln.

Formspring hat gleich zwei Schattenseiten, wenn es um anonyme Fragen geht: 1. wer einfach mal unter die Gürtellinie hauen will, der schießt aus der Deckung. 2. und das ist sicherlich die kritischere Komponente für Transparenz und Vertrauen (gerade in Unternehmen, die ein Tool wie Formspring ja auch nutzen könnten):  wer Schönfärben, den Fokus auf eigene Themen und Aussagen lenken will, der fragt sich einfach selbst. In guten Zeiten ist das vielleicht weniger schlimm, in einer PR-Krise allerdings wird ein Tool wie Formspring zum Bumerang. Denn kritische Leser werden jede anonyme Frage, die eine positive Botschaft des Unternehmens zur Antwort hat, extrem hinterfragen. “Hat da nicht die PR ihre Finger im Spiel gehabt?” und “Haha, schaut mal, jetzt fragen sie hier schon selber, das ist das Ende der Transparenz”. Formspring hat also seine positiven Züge. Der Einsatz für Unternehmen dürfte allerdings schwierig werden, außer man will sich den vorprogrammierten Transparenz-Gau gleich mit ins Haus holen.

PS: Um hier nicht alles schlecht zu reden: Ich kann mir Formspring schön als Fanclub-Tool für eine Band vorstellen . . .

“QR Codes sind noch kein Massenmedium”

von Björn Eichstädt

Die Verknüpfung von mobilem Internet und Social Media mit Printpublikationen ist im Kommen. Ein absoluter Vorreiter der Branche ist die Redaktion von WELT KOMPAKT. Neben dem breiten Twitter-Einsatz experimentiert die Redaktion seit zwei Jahren mit QR Codes. Björn Eichstädt, Geschäftsführer von Storymaker sprach mit WELT KOMPAKT Redakteur Jürgen Stüber, der für das Internetressort der Tageszeitung verantwortlich zeichnet, über die Verknüpfung von mobile Web und Zeitung sowie den sinnvollen Einsatz von Social Media in einer Printredaktion.

Stueber

WELT KOMPAKT setzt schon seit Ende 2007 auf QR Codes, ein Thema, das erst heute breiter in Deutschland diskutiert wird. Wie kam es zu diesem frühen Einstieg?

Wir hatten damals einen Volontär, der kam eines Tages in die Redaktion und erzählte, dass er ein komisches Quadrat mit Punkten und Mustern entdeckt hätte, das man mit dem Handy abfotografieren kann, um so mobil auf Websites zuzugreifen. Wir haben recherchiert, um genauer zu erfahren, was man mit den Codes machen kann. Innerhalb einer Woche hatten wir das im Blatt umgesetzt.

Damals gab es ja noch kaum Smartphones. Hat irgendjemand Ende 2007 tatsächlich über diese Codes aufs Internet zugegriffen?

Am Anfang in der Tat recht wenige. QR Codes waren zu der Zeit in Fernost bereits das ganz große Ding. Die Menschen hierzulande waren aber noch zögerlicher, was den Zugriff auf das mobile Web angeht.

Das hat sich ja – nicht zuletzt durch das iPhone – verändert. Merken Sie den „iPhone-Effekt“ schon bei den Zugriffszahlen via QR Code?

Wir erkennen einen Trend – das mobile Surfen kommt. Und mit ihm die QR Codes. Deshalb machen wir natürlich weiter.

Wie hoch sind denn durchschnittlich die Zugriffe via QR Code?

Das hängt davon ab, was wir verlinken. Allerdings lässt sich sagen, dass QR Codes noch kein Massenmedium sind – davon sind wir noch weit entfernt. Generell bleibt festzuhalten: Je nutzwertiger desto besser. Rezepte, Währungsrechner, Videos – das funktioniert.

Was war denn bisher der größte Renner?

Eine Seite mit Tipps zum iPhone –zu Zeiten der ersten iPhone-Generation.

Sie sind bei der WELT KOMPAKT für das Thema verantwortlich – wie wird man denn überhaupt QR-Code-Verantwortlicher?

Da ich für die Internetseite zuständig bin, hat sich das ganz natürlich ergeben (lacht).

WELT KOMPAKT kümmert sich ja zunehmend um Themen wie Twitter, Facebook und Co. Brauchen Sie noch ein eigenes Internet-Ressort oder spielt das Thema nicht in alle Bereiche hinein?

Wir nutzen das Ressort für neue Themen, zum Beispiel neue Plattformen. Der Bedarf ist vor allem dort, wo die neuen Entwicklungen kommen.

Zuletzt ist Ihre Redaktion dadurch aufgefallen, dass die komplette Redaktion bei Twitter aktiv ist. Was ist die Idee dahinter?

Wir wollen dem Leser die Möglichkeit geben, direkt im Newsroom bei der Entstehung von WELT KOMPAKT dabei zu sein. Die Interaktion findet statt, um Teilhabe zu erlauben, aber auch um Themen zu generieren. Uns ist die Meinung der Follower wichtig.

Die Zielgruppe „Digital Natives“ scheint eine große Rolle für Sie zu spielen. Dabei sollte das Internet doch die Print-Medien ruinieren. Warum kann sich WELT KOMPAKT in diesem Umfeld behaupten?

Wir thematisieren Inhalte, die unsere Zielgruppe interessieren. Print und Online ergänzen sich dabei wunderbar – der QR Code ist ja fast schon ein Sinnbild dafür.  

Familienstrukturen begünstigen Seuchen

von Björn Eichstädt

Die Kommunikation im Netz wird familiärer. “Tribes”, “Communities” oder wie man diese Gebilde auch immer nennen mag, werden für viele zu täglichen Tummelplätzen. Die Menschen innerhalb des eigenen Netzwerkes wachsen einem zunehmend ans Herz. Und damit beginnt das Vertrauen, das die Basis all dessen ist, was man die “Kommunikation der Zukunft” nennt. Ohne Vertrauen funktioniert “Word of Mouth” nicht, ohne Vertrauen sterben Communities. Und ohne Vertrauen sind Unternehmen und Marken dieser Kommunikation der Zukunft schutzlos ausgeliefert.

Doch wenn Vertrauen blind wird, wenn es in “Naivität” umschlägt, wenn viele Followers einem “Leader” ungeprüft alles abkaufen, dann kann es schnell riskant werden. Und hier kommen wir auf die Spammer, die Phisher, die Virenverbreiter zu sprechen, die es in Sozialen Netzwerken künftig leichter haben werden, als in klassischen Emailsystemen. 

Gestern ist es mir passiert: mein privater Account @beichstaedt – derzeit von Twitter suspendiert – er hatte ab gestern Abend, ca. 19.30 Uhr, angefangen Direct Messages (DM) an die Follower des Accounts zu verschicken. Ich kann mich nicht erinnern, zuvor auf irgendetwas “geklickt” zu haben… Nun denn, mein Account verschickte irgendeine Botschaft “I made money on Google” und einen Link. Tatsächlich wurde ich kurz darauf von Followern per Mail und DM informiert – doch da war das Kind schon in den Brunnen gefallen. Das Passwort habe ich schnell geändert, doch kurz darauf wurde mein Account seitens Twitter geblockt. Scheinbar, weil der Spammer sich automatisch wiederholt versuchte einzuloggen, das ohne Erfolg. Nun ist der Account erst einmal unerreichbar. Und erste DMs per Email berichten von folgender Situation: “Ich habe geklickt, da ist nichts passiert – kannst Du den Link nochmal schicken”? Und ich kann kaum reagieren. Denn ich bin von der Kommunikation mit den Followern abgeschnitten. Und: Sie haben mir zu blind vertraut.

Was bedeutet das für die Kommunikation in Sozialen Netzwerken? Je höher die so genannte #Reputation, desto größer die Chance, dass Menschen “blind” auf etwas klicken, das man verschickt. Je mehr Follower man hat, desto größer die Chance, dass man potenzielle Spammer produziert (allein aufgrund der Statisik), wenn der eigenen Account Spam verschickt. Follower sollten also immer genau hinschauen, bevor sie auf einen Link klicken. Denn: Familienstrukturen begünstigen Seuchen.