Kunden·Public Relations

„Man muss heute ganz anders denken“

In der Welt der Unternehmens-Software ist sie eine Großmacht. Die Sage Group ist der drittgrößte ERP (Enterprise Resource Planning)-Anbieter der Welt, im Bereich kleiner Unternehmen steht das britische Unternehmen mit drei Millionen Kunden sogar an der internationalen Spitze. Lösungen für die Buchhaltung, CRM (Customer Relationship Management) oder Finanzen gehören zum ganzheitlichen Produkt-Portfolio. Seit Oktober 2011 ist Storymaker die deutsche PR-Agentur von Sage. Im Gespräch erzählt Jörg Wassink, Head of Communications Central Europe, was sich seither verändert hat und vor welchen kommunikativen Herausforderungen das Unternehmen steht.

Björn Eichstädt (BE): Seit ziemlich genau fünf Jahren arbeitet Storymaker nun für Sage. Wie hat sich das Unternehmen seither gewandelt?

Jörg Wassink (JW): Sage war vor fünf Jahren ein Anbieter professioneller Unternehmenssoftware, die hauptsächlich als installierbare Software für PCs ausgeliefert wurde. Der Desktop stand im Fokus. Heute sind wir ein Anbieter cloud-basierender Lösungen für den Unternehmenseinsatz. Die „digitale Transformation“ hat also auch uns komplett verändert.

Jörg Wassink, Head of Communications Central Europe

Jörg Wassink, Head of Communications Central Europe

 
BE: Und welchen Einfluss hat die Digitalisierung auf die Kommunikationsarbeit von Sage?

JW: Eine recht parallele zu unserer Produktwelt. Vor fünf Jahren standen Printmedien noch ziemlich stark im Fokus unserer PR-Arbeit. Früher haben wir uns eher auf eine kleine Auswahl von klassischen Zielmedien konzentriert. Heute geht es um eine Vielzahl von Websites, Plattformen und Kanälen in den sogenannten „Earned Media“ und „Shared Media“ sowie um viele Aktivitäten in unseren „Owned Media“ – wie unseren Blogs, Landing Pages oder virtuelle Präsenzen. Auch unsere Inhalte haben sich entwickelt. Neben Text spielen heute auch Infografiken oder Videos eine immer größere Rolle. Zudem experimentieren wir mit Gamification- Ansätzen (Online Competitions, Social Games etc.) oder probieren neue Plattformen wie Vine, Periscope oder das inzwischen schon wieder verschwundene Blab aus. Die heutige Kommunikation ist viel diversifizierter. Man muss ganz anders denken und planen und das alte Schlagwort der „integrierten Kommunikation“ bekommt eine viel größere Bedeutung.

BE: Was sind die größten Herausforderungen, die Ihr als britisches IT-Unternehmen im deutschen Markt habt?

JW: Der deutsche Markt ist für Sage sehr herausfordernd. Es gibt zwei lokale Platzhirsche, mit denen wir in verschiedenen Bereichen konkurrieren und mehrere hundert Branchensoftware-Anbieter – so viele wie in keinem anderen Land der Erde. Da tut man sich als nichtdeutscher Marktteilnehmer naturgemäß nicht immer leicht. Aber wir sind in Deutschland andererseits auch schon recht lange unterwegs, haben eine sehr lokal geprägte Historie und waren hier ganz vorne bei den ersten Einführungen von Buchhaltungs-Software auf PCs mit dabei. Außerdem haben wir natürlich international eine große Verbreitung, was in der sehr exportorientierten deutschen Wirtschaft hilft. Drei Millionen internationale Kunden in kleinen und mittleren Unternehmen und ein globales Partnernetzwerk, das unsere Kunden bei der Implementierung unserer Lösungen unterstützt, sind schon eine Ansage.

BE: Helfen die internationalen Erfahrungen auch beim Erkennen von Geschäftschancen?

JW: Ja natürlich! Wir sehen vielen Themen kommen, weil sie in anderen Ländern, etwa den USA oder unserem Heimatmarkt Großbritannien, einfach früher da sind und eine schnellere Verbreitung finden. Deutschland ist ja oft ein sehr abwägender Markt und kein Early Adopter im Digitalen. In anderen Märkten sind wir ganz vorne und können das dann schnell für Deutschland umsetzen, wenn die Zeit reif ist. Gerade haben wir zum Beispiel einen ersten Chatbot (www.HelloPegg.io) für unsere Finanzsoftware entwickelt und auf den Markt gebracht. Das könnte auch in Deutschland schon bald relevant werden.

BE: Digitalisierung und Daten in der Cloud – das sind Themen, die Euch als Unternehmen direkt betreffen. Wo ist der größte Erklärungsbedarf in Richtung deutscher Unternehmen?

JW: Bis vor kurzem war es noch das Thema „Sicherheit“. Doch inzwischen haben alle verstanden, dass an der Cloud eigentlich kein Weg vorbeigeht. Dass sie sogar oft sicherer ist als eigene Lösungen. Denn gerade für kleinere und mittlere Unternehmen sind die Sicherheitsstandards großer Rechenzentren gar nicht mit In-House-Ansätzen umsetzbar. Das Thema ist also mehr oder weniger vorbei. Wichtiger wird für uns die Mehrwertkommunikation. Heute wird eher gefragt, was eine neue Lösung als Zusatznutzen bringt. Was bedeutet sie für das IT-Team. Um welche Dinge können sie sich künftig kümmern, wenn Datensicherung oder Duplizierung von Datenspeichern keine Aufgaben mehr im Tagesgeschäft darstellen?

BE: Also auch eine kommunikative Herausforderung, bei der Storymaker helfen kann. Nach fünf Jahren Zusammenarbeit: wie ist Dein Zwischenfazit?

JW: Die Arbeit mit Storymaker macht mir großen Spaß. Ich habe ein sehr konstantes Agentur-Team mit geringer Fluktuation. Als Sage-Storymaker-Team können wir so konstant inhaltlich wachsen. Das ist gerade in unserem komplexen Umfeld sehr wichtig. Kontinuität ist auch für die Media Relations von Bedeutung – die stete Pflege der Kontakte, das Ohr an den Medien. Und wichtig: aus der nachhaltigen Betreuung entsteht Vertrauen. So kann ich nicht nur einzelne Aufgaben, sondern komplette Prozesse an die Agentur abgeben. Komplette Kampagnen oder das gesamte Thema Media Relations zum Beispiel. Auch bei den aktuellen Entwicklungen mache ich mir keine Sorgen. Ich weiß genau, dass ich auch in Sachen Social Media, Übersetzung oder Videoproduktion jederzeit auf Storymaker setzen kann. Das ist zwar derzeit bei uns noch nicht regelmäßig der Fall, aber so bietet die Agentur definitiv Zukunftssicherheit. Und noch etwas, das speziell für Sage auf jeden Fall wichtig ist: Storymaker versteht nicht nur die IT-Industrie, sondern auch den deutschen Mittelstand, der zu hundert Prozent unser Zielsegment ist.

Über Jörg Wassink
Jörg Wassink ist seit mehr als fünfzehn Jahren in der Kommunikationsbranche tätig: Als Head of Communications Central Europe verantwortet er seit 2007 die Medien- und Öffentlichkeitsarbeit der Sage GmbH, zunächst in Deutschland, seit 2016 in Zentraleuropa (Deutschland, Österreich, Schweiz und Polen). Davor war er beim europaweit tätigen Telekommunikationsanbieter COLT Telecom tätig und arbeitete als Journalist für das IT-Wirtschaftsmagazin iCONOMY. Seit rund zehn Jahren ist der studierte Philosoph und Geisteswissenschaftler auch im Social Web aktiv. Man findet ihn u.a. auf Twitter, LinkedIn, Xing, Google+ oder auf seinem eigenen Blog www.digarbeit.com, wo er über die Themen Digitale Arbeitswelt, Social Media und die Online Kommunikation schreibt.

Mehr lesen:

1 Reply

  1. […] Vor ein paar Tagen fragte mich Björn Eichstädt, ob ich ihm ein Interview für seinen Agentur Blog „Storyblogger“ geben wollte, was ich gerne getan habe. Herausgekommen ist der folgende Beitrag, indem ich über die Veränderung Berichte, die das Thema Cloud Computing Den Beitrag findet ihr unter den folgenden Link: http://www.storyblogger.de/2016/10/man-muss-heute-ganz-anders-denken/ […]

Kommentar verfassen