Allgemein·Public Relations·Social Media

Mein Jahresausblick 2012: Das Bild vom großen Ganzen

Jetzt ist sie wieder da: die Zeit der zweifelhaften Jahresausblicke. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mich in diesem Jahr endgültig aus diesem Genre zurückzuziehen. Nicht zuletzt, weil ich kein Freund der gemeinen Thesenhuberei bin. „10 Thesen zu Social Media in 2012“ ist so ziemlich das ausgelutschteste Format, das man sich vorstellen kann. Und: „Mit welchen Thesen ich schon 2010 recht hatte“ ist noch viel langweiliger. Vor allem auch, weil viele Annahmen und Voraussagen nicht wirklich dazu animieren, kreativ darauf zu reagieren.

Ob Google+ nun Facebook ablöst oder nicht. Ob Amazon, Apple, Google oder Facebook den Kampf ums Internet gewinnt oder nicht. Ob die App den Browser ablöst oder nicht. Das alles ist doch eigentlich nicht wirklich spannend. Denn wie so oft geht es bei diesen Thesen um die Oberfläche, das Frontend, das Label, das auf den verwendeten Instrumenten prangt – nicht um das, was da im Kern passiert. Da die Zukunft aber trotzdem sehr spannend ist, möchte ich drei kleine Ausblicke auf MEIN Social-Media- und Kommunikations-Jahr 2012 wagen. Ganz subjektiv. Ohne Allgemeingültigkeit. Aber vielleicht lässt sich doch das ein oder andere für den ein oder anderen (oder die andere) daraus ableiten.

Mein Jahresausblick 2012:

1. Globale Bildwelten

Das Bild wird 2012 in meiner Social-Media-Nutzung eine zentrale Rolle einnehmen. Denn der unaufhaltsame und weltweite Vormarsch von Instagram, die globalen Like-Statistiken von Facebook und Erfahrungen meiner letzten China-Reise haben mir vor allem eines gezeigt: Bilder überwinden Grenzen. Und da Social Networks per se global funktionieren, werden auch Bilder eine immer größere Rolle spielen – gerade auch bei B2B- und Spezialunternehmen, deren Zielgruppen sich weltweit verteilen und bei denen eine fokussierte lokale Ansprache in bestimmten Kanälen die kritische Masse nicht zu rekrutieren vermag. Und auch bei hochwertigen B2C-Labels wird das Bild zum Trend werden. Das zeigt beispielsweise der heimlich, still und leise gewachsene Instagram-Kanal des Modelabels Burberry, der es inzwischen auf unglaubliche 127.000 Follower bringt. Wichtig vor allem: wir reden hier nicht vom Bewegtbild, das in der Regel in Kombination mit Ton und Sprache daherkommt. Sondern vom Foto, von der Zeichnung, vom Symbol (wer deren Bedeutung unterschätzt, sollte sich hier nur mal die symbolische Bedeutung des Apfels zu Gemüte führen und dann den weltweiten Erfolg der Marke Apple damit abgleichen) – alles kommunikative Mittel, die die Grenzen der Sprache hinter sich lassen. Und ggf. von einer Renaissance des Stummfilms, die ich hier jetzt einfach mal auf die Leinwand Zukunft projiziere. Wir werden im Kontext mit Social-Media- und digitaler Kommunikation mehr Bilder, mehr archetypische Symbole, mehr Grafik sehen – die Sprache, der gesprochene und geschriebene Text wird zunehmend in eine lokalisierende Teaser-Funktion gedrängt. Die erdumfassende Kommunikation wird das große Bild, nicht das große Wort ins Zentrum rücken.

2. Predictive Storytelling

Ein weiteres wichtiges kommunikatives Element in der sich verkomplizierenden Welt von Cloud Computing, Web, Augmented Realities, Internet der Dinge, komplexen Maschinenparks und Einzelfunktionen wird die Kommunikation von Gesamtszenarien: Was werde ich wann wie machen können? Warum brauche ich das alles? Wie sieht mein Wunschszenario aus? Und welche Vision hat die Crowd vom Leben im Morgen. Predictive Storytelling wird einer der Ansätze sein, mit dem Technologieanbieter zunehmend versuchen werden aus einzelnen, unverständlichen Puzzlesteinen das Bild (da ist es wieder) vom großen Ganzen zu entwerfen. Denn nur die Vision von der Vereinfachung, derEffektivität, dem Schöneren für mich und meine Lebenswelt, werden mich künftig davon überzeugen, dass ich ein Produkt, eine Dienstleistung, ein Stück Technologie, eine Plattform auch wirklich brauche.

3. Paralleluniversen

In 2012 werde ich mich – wie viele andere vermutlich auch – noch mehr auf die Reise in die Paralleluniversen des Social Web begeben. Denn gerade hier warten die großen „Community-Schätze“, die es zu heben gilt. Nicht in immer mehr neuen Plattformen liegt der Weg hin zum Erreichen der Stakeholder – sondern in den versteckten Welten der existierenden Netzwerke. Etwa die Welt der Katzen, die auf Twitter vom Kater Sockington angeführt wird, der inzwischen über 1,5 Millionen Follower auf Twitter aktiviert hat. Nicht umsonst ist Katzen-Content mit das erfolgreichste, was das World Wide Web zu bieten hat. Er ist in der Regel sprachlos (s. Punkt 1), er ist global, er ist getrieben von Liebe für das Haustier. Ein anderes Universum ist die Welt von Witchhouse, einem Kunst, Musik und Filmgenre, das im Internet geboren wurde und sich gerade durch die Verwendung von Symbolen (s. auch Punkt 1), von universellen Ansätzen, von Empfehlungsmarketing dem klassischen kommunikativen Ansatz entzieht und so eine grenzüberschreitende Community geschaffen hat. Auch der Hashtag# der beispielsweise zum Sinnbild der Occupy-Bewegung (mit Masken-Symbolik auch ein globales Beispiel für Punkt 1) geworden ist, wird seinen Siegeszug fortsetzen und so die Organisation von Paralleluniversen weiterhin unterstützen.

Bilder, Visionen, Universen. Das Jahr 2012 wird aus meiner Sicht auf breiterer Front der globalen Online-Kommunikation zum Durchbruch verhelfen. Und ich möchte im kommenden Jahr mehr von dieser universellen Kommunikationsplattform, dem Digitalen und seinem Einsatz über Grenzen hinweg, verstehen. Ich bin gespannt.

Mehr lesen:

3 Replies

Kommentar verfassen