von Björn Eichstädt
Was wird das neue große Ding im Internet. Diese Frage stellen sich viele und permanent. Und ich bin mir sicher, dass wir das neue große Ding gerade erleben. Es heißt: Instagram.
Ich habe in letzter Zeit viele Diskussionen zu dieser neuen Social Media Plattform geführt, die wie eine Mischung aus Twitter, Flickr und Foursquare daherkommt. In dem Social Network, das derzeit nur als App fürs iPhone existiert, posten User Smartphone Fotos, packen meistens eine kleine Bildunterschrift dazu und schauen sich die Fotos ihrer Kontakte an. Die Bilder können wie bei Foursquare mit einem Ort verknüpft werden. Außerdem gibt es noch einige schöne Effekte, mit denen man den Bildern einen Retrolook verleihen kann, sie in schwarzweiss postet etc. Und der klassische quadratische Look von Instagram gibt dem ganzen noch eine ganz eigene “Instagram”-Identität. Wenn das Bild gepostet ist, können Freunde es liken, kommentieren, diskutieren.

Warum nun soll ausgerechnet Instagram das neue Twitter werden? Oder das neue Facebook? Das neue große Ding im Web eben? Nun: es gibt viele Gründe. Nachdem wir in der Vergangenheit sehr stark textorientiert genetzwerkt haben, ist das Networken via Bildcontent eine spannende neue Sache. Sie funktioniert auch wunderbar. Und sie liefert ganz neue kommunikative Bezugspunkte. Nicht umsonst sagt man: Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Erste Unternehmen haben das auch erkannt, und es sind Unternehmen, die schon in der Vergangenheit durch Early-Adoptertum im Web auffielen. Etwa das Modelabel Burberry – hier Fotos aus Instagram. Dieses hat bereits 27.000 Follower auf Instagram eingesammelt. Und das bei einer Gesamtnutzerzahl von unter 4 Millionen, die Instagram seit dem Start im Oktober 2010 nur unter den iPhone-Usern generieren konnte.
Ja, aber ist die Reduktion auf die iPhone Plattform nicht schon der Vorab-Todesstoß für Instagram? Kann ein Single-Plattform-Tool ein erfolgreiches Netzwerk werden? Denken wir zurück an die Geschichte von Facebook und Twitter. Beide entwickelten sich aus Elitegedanken heraus. Bei Facebook war es die Beschränkung auf Harvard, dann auf andere Eliteunis, die das Netzwerk begehrenswert machte. Erst eine schrittweise Öffnung führte zum größten Network der Welt. Und gerade die Tatsache, dass nicht jeder mitmachen konnte, machte das Ganze so reizvoll. Bei Twitter bestand die Reduktion in der Komplexität. Im ganz eigenen Code, den die User mit @,# etc. geschaffen hatten, und der den Einstieg erstmal schwierig machte. Dieser eigene Code machte aber auch die elitäre Aura aus. Und jetzt Instagram. Nur für iPhone. Elitär. Mit einer klaren Aussage: Die Qualität halten. Doch gleichzeitig kommen schon die ersten Ankündigungen, dass Instagram für Android auf dem Weg ist.
Instagram wächst aus der elitären Beschränkung heraus. So wie Facebook und Twitter vor ihm. Es schafft mit dem Bezug zum Bild eine sinnvolle Nutzung des Location-Based-Service-Ansatzes und es macht großen Spaß: ein Faktor der Twitter einst groß machte. All diese Aspekte sorgen dafür, dass ich sicher bin, dass Instagram das neue große Ding wird. Und ich empfehle jedem Unternehmen, sich über erste Einsatzmöglichkeiten Gedanken zu machen.