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Privacy – what’s that?

von Tina Lang-Stuart

Ach, ist das nicht wunderschön, dass wir jetzt alle zu einer großen, internationalen Blogging-Familie dazugehören? Und wie es sich in einer intakten Familie gehört, gehen wir offen miteinander um und erzählen, was uns bewegt und bedrückt.

Dabei gehören Bilder und Blogposts von neu geborenen (oder adoptierten) Babys zu den besonderen Schmankerln. Ja, das muss man aber doch wirklich vestehen – so eine einzigartige und wunderschöne Erfahrung muss man unbedingt mit seinen Blogger-Spezln und -Freundinnen teilen. Und die vielen Gratulationskommentare ermutigen frisch gebackene Blogger-Mütter und -Väter von jetzt ab nicht nur über Web 2.0 Applikationen oder sonstige trockene (professionelle) Themen zu bloggen, sondern auch die Freuden des Windelwechselns eingehend zu beschreiben.

In einer funktionierenden Familie teilt man jedoch nicht nur Freud, sondern auch Leid: Die Blogosphere wird auch Zeuge unseres ganz persönlichen Schmerzes. So konnte die gesamte Blogging Community dem Sterben von Robert Scobles Mutter beiwohnen. In seinem viel gelesenen Tech-Blog Scobleizer hat er seinen Gefühlen freien Lauf gelassen und seine Leser konnten mitverfolgen, wann Robert beim Schreiben seiner Posts geweint hat. Und erneut bestätigen die vielen (durchaus prominenten) Kondolenzbekundungen, dass es genau das ist, was die Blogosphere will: Die Aufhebung der Privatssphäre.

Bin ich denn die Einzige, die das öffentliche Mixen und Mashen von Berufs- und Privatleben befremdend findet?

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7 Replies

  1. Es ist schlicht eine konsequente Entwicklung, denn Privat und Beruf sind ja auch an anderer Stelle schon lange nicht mehr getrennt. Das hat durchaus sein Gutes, man muss es eben zu nutzen wissen und gleichzeitig schauen, dass man in den entscheidenden Momenten weiß, womit man es zu tun hat – echtes persönliches oder rein monetäres berufliches Interesse…

  2. Ich gebe Björn recht, dass die alten Grenzen zwischen Job und Privat nicht mehr so weiterbestehen. Wer arbeitet denn heute noch mit einem Hammer, den er pünktlich fallen lassen könnte? Im Job wird nur der erfolgreich sein, der ein großes Stück seiner Persönlichkeit einbringt. Andererseits teile ich Tinas Befremden über private Dinge, die man einfach nicht sehen möchte, aber dennoch in die Augen gerieben bekommt. In einem Blog über Neue Medien möchte ich einfach keine durchgetrennte Nabelschnüre sehen (ist jetzt ein fiktives Beispiel).

    Ich glaube, dass die Grenzziehung zwischen Job und Privat immer mehr zu einer Entscheidung im Einzelfall wird. Nicht nur, zu welcher späten Stunde man noch dienstliche Gespräche auf dem Handy entgegennimmt (beim Dinner mit der Liebsten), sondern auch, wieviel Privates man im Job von sich preisgibt. Harald Schmid hat lange nichts über sein Privatleben erzählt und eingesehen, dass er dies nicht durchhalten kann. Er hat sich daraufhin mit seiner Familie zusammengesetzt und ihnen gesagt, dass er jetzt alles mögliche erzählen wird, sie sollen es bitte nicht ernst nehmen. Und nun erzählt er so abstruse Dinge wie ‘meine Frau, von der ich mich zum dritten Mal habe scheiden lassen’.

    Oft geht es gar nicht darum, Wahrheiten aus seinem Leben zu erzählen, sondern darum Authentizität zu vermitteln. Mit Lügen geht das natürlich auch nicht, aber man muss dafür nicht sein komplettes Leben vor der Öffentlichkeit ausbreiten. Die eine oder andere wahre Anekdote reicht da doch vollkommen aus.

  3. Entscheidend ist m.E. die Trennung von beruflichen und privaten Aspekten.

    Natürlich entscheidet jeder selbst, welche privaten Informationen er weltweit zugänglich macht, allerdings gehen mir persönlich manche Dinge auch etwas zu weit – zwei Beispiele wurden im Text genannt.

  4. […] Der Schutz der Privatsphäre ist ein hohes Gut! Nicht umsonst gibt es Datenschutzbestimmungen. Jeder muss selbst entscheiden können, welche privaten Informationen er veröffentlicht sehen will und welche nicht. Wichtig ist m.E. dabei immer, dass berufliche und private Aspekte sauber getrennt werden. Siehe auch: Privacy – what’s that? […]

  5. Vielen Dank für die vielen Kommentare! Da scheine ich doch einen Nerv getroffen zu haben. Natürlich bringe ich meine Persönlichkeit in meinen Job ein und natürlich gehe ich mit den Kolleginnen und Kollegen nach der Arbeit einen trinken und rede dabei nicht nur “shop talk”, aber es gibt durchaus Dinge, wo ich eine Grenze ziehe – und das ist gut so! Und viele von Euch teilen diese Meinung.

  6. Nach 1.5 jahren als Private-Blogg-Junkie war’s genug mit der Virtualität. Das echte Leben ist um einiges spannender – und echte Freunde sowieso.
    Btw: Viele Grüße in die USA!

  7. […] Der Schutz der Privatsphäre ist ein hohes Gut! Nicht umsonst gibt es Datenschutzbestimmungen. Jeder muss selbst entscheiden können, welche privaten Informationen er veröffentlicht sehen will und welche nicht. Wichtig ist m.E. dabei immer, dass berufliche und private Aspekte sauber getrennt werden. Siehe auch: Privacy – what’s that? […]

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