von Agnes Grill
Hohes Tempo, zunehmend nationalistische Berichterstattung in den Medien und anti-ausländische Kampagnen im Internet: das sind nur einige der Herausforderungen, denen sich ausländische Unternehmen im chinesischen Geschäftsleben stellen müssen. Wie diese ihr Ansehen in China verteidigen und Krisensituationen am besten bewältigen können, war vergangene Woche Thema beim vierten Sino-German Communication Forum in Peking, das Storymaker initiierte und gemeinsam mit dem German Center veranstaltet.
Erst kürzlich in Peking angekommen und neu im chinesischen Storymaker Team, war die Veranstaltung für mich besonders lehrreich. „Wer Geschäfte in China macht, muss unterscheiden lernen, welche Krisen besiegt werden können und welche nicht”, lautet die zentrale Botschaft, die ich aus der Rede von Keynote-Sprecher Alistair Nicholas mitgenommen habe. Der Australier ist einer der bekanntesten Experten für Krisenkommunikation in China und gründete 2003 sein eigenes Beratungsunternehmen, AC Capital Strategic Consulting, mit Sitz in Peking.

Krisen-erprobt: Alistair Nicholas
Nicholas ist ein hervorragender Redner und sein Thema spannend wie ein Krimi. Bevor ich auf die Uhr sehen konnte, war eine Stunde vorbei und ich hatte viel gelernt – darüber, dass in einer Krise für die Öffentlichkeit immer die Wahrheit und offensichtliche Reue zählt, dass die Beschwerde eines einzelnen Kunden ausreichte, um einen großen ausländischen Mobiltelefonhersteller in eine verherende Krise zu stürzen, dass ein Skandal in der Fabrik nur eines Produzenten die gesamte chinesische Mondkuchen-Industrie zum Einbruch brachte und, dass auch ein Krisen-Experte selbst nicht vor Angriffen Dritter auf seine Website geschützt ist. Bereits zwei Mal wurde Alistair Nicholas das Opfer von Hacker-Angriffen, konnte tagelang nichts in seinen Blog schreiben oder wurde plötzlich zur Angebotsseite für Sex-Dienste. Nun hat er beschlossen, seine Server alle ins Ausland zu verlagern.
Den Schwerpunkt seines Vortrags legte er auf eine professionelle Vorbereitung, die jedes Unternehmen – nicht nur in China – durchführen sollte:
- Ein systematischer Ansatz, der es ermöglicht, die Art der Krise zu definieren, in der sich das Unternehmen befindet – und ob diese es wert ist, bekämpft zu werden oder nicht.
- Ein regelmäßig aktualisiertes Risikoprofil, ein Risikomanagementplan und eine Strategie für den Umgang mit möglichen Krisenenszenarios.
- Ein ausgebildetes Krisenteam und ein Unternehmenssprecher, der für den Umgang mit der Presse und der Öffentlichkeit während der Krise trainiert ist.
- In der Krisensituation nicht die Medienkontakte in den Vordergrund zu stellen sondern die Unterstützung einer breit gefächerten Gruppe von Interessensbildnern zu gewinnen.
Der Krisen-Experte, der viele Jahre in der PR-Agentur Edelman als Berater tätig war, warnte vor Mythen des Krisenmanagements in China: Beziehungen zur Regierung oder Freundschaft zu Journalisten sind in der Krise genauso schnell vergessen, wie das bisherige Engagement des betroffenen Unternehmens für das Land. Deshalb ist es besser, wenn Unternehmen seine Dienste anfragen…

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