Storyblogger - Weblog für Public Relations

Das Erdschichtenmodell der Online-Kommunikation

von Björn Eichstädt

In den Wirren von Social Media und Corporate Media, von Twitter, Facebook, Xing, Website, Newsletter und Co. geht derzeit manch einer unter. Wer sich nicht ausführlich mit den aktuellen Entwicklungen in der Online-Kommunikation befasst, der sieht den Wald oft vor lauter Bäumen nicht mehr. Das ist mir in den vergangenen Wochen und Monaten bei diversen Schulungen und Seminaren immer wieder aufgefallen. Und ich bin mir auch immer klarer darüber geworden, dass wir eingängigere Modelle brauchen, um denjenigen, die nicht von morgens bis abends bei Twitter sind, die Welt der Online-Kommunikation begreiflicher machen. Denn die Gefahr, dass die Experten die Einsteiger abhängen, scheint mir immer mehr gegeben. Und das sollte professionellen Beratern eigentlich nicht passieren.

Deshalb hier ein erster Versuch als Video: “Das Erdschichtenmodell der Online-Kommunikation”. Ich bin gespannt auf Reaktionen. Ganz klar: Das ist eine Skizze, über Ergänzungen freue ich mich.

Zusammengefasst:

Im Kern: Die Hostingplattformen, die Content vor allem im Hintergrund halten.

In der Mitte: Die Corporate Media wie Website, Blog oder Newsletter, die sowohl dem Hosting von Content dienen können, als auch der primären Kommunikation

Auf der Erdoberfläche: Die Kommunikations-Touchpoints und -plattformen

Google Buzz oder Die nächste Innovation lauert beim Inhalt

von Björn Eichstädt

Google Buzz. Eine Verknüpfung von Ideen und Kanälen. Irgendwie Mail, Facebook, Twitter und alles andere. Zusammengebaut von Google, dem mächtigsten und an vielen Stellen auch innovativsten Internetunternehmen des Planeten. Lokalisieren geht auch, weshalb es Foursquare mit der Angst zu tun bekommt. Vielleicht. Und ich? Ein einstmals Begeisterter, einer der in Social Media viel Innovation sieht, zucke nur mit den Schultern. Ja, eine neue Art zu verknüpfen, noch mehr zu vernetzen, noch mehr zu diskutieren, noch mehr, noch schneller. Aber ganz ehrlich: es interessiert mich kaum mehr. Und ich glaube auch nicht, dass weitere Plattform- und Tool-Innovationen das Social-Media-Thema in Zukunft treiben werden.

Google Buzz. Ist für mich auch ein Symbol. Schon der Name sagt auf der Metaebene viel. Denn das Tool sorgt für Buzz (idealerweise) und ist Buzz (in seiner eigenen Verbreitung). Aber ist Buzz das, was wir brauchen. Das, was auch die Unternehmen stärker in Richtung Social Media führen wird? Ich glaube nein. Die Verantwortlichen in Unternehmen, mit denen ich täglich zu tun habe, sind froh, wenn sie die bisherigen Tools der Social Media unter einen Hut bekommen. Wenn sie verstehen, wie Twitter, Facebook, Xing, YouTube, Slideshare und Co zusammenspielen können und welche Inhalte – !!! – sie über diese Kanäle kommunizieren können und wie sie hier in Interaktion mit ihren Zielgruppen treten können. Eine weitere Produktinnovation, die doch wieder nur eine weitere Zerfaserung ist, führt hier nicht dazu, dass etwas weitergeht. Und auch das müssen wir uns als professionelle Kommunikatoren klar machen.

Google Buzz. Aus meiner Sicht ist Google Buzz auch der Punkt, an dem sich inhaltliche Kommunikationsberater von der Tool-Anhäufung verabschieden und sich wieder mehr auf den Inhalt konzentrieren sollten. Wer mal ernsthaft schaut, was die PRler und Werber und anderen Kommunikatoren da täglich über Twitter oder Facebook jagen, der weiß vor allem eines: Um Inhalte, um wirkliche Stories geht es zunehmend selten. Die Verwunderung ist dann sehr groß, dass so wenig erfolgreiche Kampagnen laufen und auf den Kongressen immer die gleichen “Best Practices” zu sehen und hören sind. Ja. Sowas. Die nächste Innovation der Social Media lauert deshalb nicht in den Tools -sie lauert beim Inhalt. Da gehört sie auch hin.

Ganzheitlichkeit oder Kontrolle vs. Freiheit?

von Björn Eichstädt

Seit Apple das iPad vorgestellt hat, gibt es einige Diskussionen in der Öffentlichkeit, die sich ähnlich anhören wie die bereits früher gestarteten Debatten zu “App vs. Browser” und “Paid vs. Free Content”. PR-Kollege Mirko Lange hat zuletzt in seinem Agentur-Blog das Thema unter dem Schlagwort “Freiheit vs. Kontrolle” durchdacht. Ich bitte die Leser hier, sich diesen Beitrag zunächst durchzulesen, damit ich hier nicht alle Inhalte wiederholen muss.

Worum es mir in diesem Beitrag vor allem geht ist: Sind die “Social Media” tatsächlich “Freiheit”, ist die Suche über Google eine Analogie für Freiheit? Und ist das System Apple wirklich eines der “Kontrolle”. Oder ist es nicht so wie so oft in der Medienwelt: Eignen sich vermeintlich dualistische Gegensatzpaare wie “Kontrolle GEGEN Freiheit” nicht vor allem dazu, um eine knackige These und Headline zu formulieren, die mit der Realtwelt wenig zu tun hat? Müssen wir also sowohl das System Apple als auch das System Google als auch das System Internet oder das System Welt viel ganzheitlicher betrachten?

Erstmal die These “Apple als Sinnbild des Systems Kontrolle” und die These “Google als Sinnbild des Systems Freiheit”. Das Ganze macht sich oft fest an der Frage “Apps vs. Browser”. Also erstmal zu dieser Frage:

Browser: Seit 2003 verfügt Apple über den Browser Safari. Dieser Broswer ist auf allen Macs, dem iPhone, dem iPod und auch dem iPad vorintegriert. Bei iPhones, iPod-Touchs und iPads wird derzeit kein Flash unterstützt. Google verfügt über den Browser Chrome, der 2008 veröffentlicht wurde. Chrome kann Flash. Ansonsten sehe ich hier keinerlei Vorteile von Google und auch keine stärkere Unterstützung des Browsers durch Google. Oder übersehe ich hier was?Firefox läuft auch auf meinem Mac 1A. Wie es mit der Installierung anderer Browser als Chrome auf den Google-Hardware-Produkten der Zukunft aussehen wird, weiß ich noch nicht. Firefox für Android ist angekündigt. Meines Wissens nach aber noch nicht da. Dass Apple hier allerdings den freien Webzugang verhindert bzw. Apps bevorzugt, kann ich beim besten Willen nicht erkennen.

Apps: Sowohl Google als auch Apple unterstützen Apps. Apple sicherlich derzeit noch erfolgreicher. Der App Store ist aber auch schon länger im Markt als der Android Market. Auch Google unterstützt aber ganz offensichtlich das Prinzip Apps. Unterschied ist, dass Apple noch ein Prinzip der Qualitätskontrolle und von Regeln eingezogen hat und einige Anwendungen es nicht in den App Store schaffen. Das ist Kontrolle. Ob diese Kontrolle allerdings die Freiheit einschränkt oder ob sie diese fördert, das ist eine ganz andere Frage. Die klaren Regeln des App Stores haben Entwickler jedenfalls nicht daran gehindert, dass sie unglaubliche Apps geschaffen haben. Vielleicht kann man innerhalb klarer Grenzen sogar kreativer sein? Ich hab dieses Gefühl jedenfalls schon oft im Umfeld von Bandprojekten etc. gehabt.

Sowohl Apple als auch Google unterstützten also Browser und Apps. Nicht nur das: Sie haben beide ein App-System und einen eigenen Browser. Und fokussieren dies auch im Markt.

iTunes und Co versus Google Suche: Ein anderer Aspekt, den man sich anschauen könnte: Schränkt ein geschlossenes System wie iTunes die Suche ein? Respektive: Ist die Google Suche die absolute Freiheit? In Chris Andersons “The Long Tail” werden sowohl der iTunes Store als auch die Google-Suche als Long-Tail-Maschinen beschrieben. Eigentlich folgen beide dem gleichen Prinzip: Im Prinzip ist über eine ganz einfache Oberfläche alles dahinter zu finden. Auch die Google-Suche hilft ja nicht, “das ganze Web” zu sehen. Hier können durch SEO-Maßnahmen bestimmte “Experten” ihre Seiten prominenter positionieren. Wer ahnt, was die Google-Suchmaschine präferiert, kann entsprechend agieren. Wer mehr Zeit und Aufwand in die Seitenpflege stecken kann und diese im Netz bewirbt und verlinkt, hat deutliche Vorteile. Hier ist Freiheit vor allem die Freiheit der Professionellen und der Vernetzten. Die Google Suche ist ja gerade deshalb erfolgreich geworden, weil sie den Einstieg ins Netz “erleichtert”. Also: Komplexität reduziert. Ähnlich wie das der iTunes Store macht. Oder der Einstieg über eine App. Ich wage sogar zu behaupten: Die Google Suche macht eigentlich nichts anderes als eine Web-App. Sie baut ein einfaches Interface vor die Komplexität des Netzes. Und genau deshalb ist sie so erfolgreich.

Dass Apple sich immer mehr sein eigenes System bastelt: Geräte, Apps, Stores, iTunes, iBooks etc. ähnelt im Prinzip dem Vorgehen von Google: nach der Suche die Mails, dann die Docs, Maps, Google Earth, Street View, Wave…. es ist die natürliche Entwicklung eines Unternehmens, das erfolgreich ist. Es breitet sich aus. Es bringt mehr Dinge unter seine “Kontrolle” und reduziert damit die Auswahl / Komplexität für diejenigen, die sich nicht bewusst für Vielfalt entscheiden.

Ich behaupte also: Sowohl Google als auch Apple sind sehr gut und extrem intelligent geführte Firmen. Also setzen beide auf alles, das Erfolg verspricht. Auf den Browser, auf die App, auf die Freiheit, auf die Einschränkung, auf die Kontrolle, auf eigene Geräte, auf die Ganzheitlichkeit. Das Problem, dass irgendwann mal alles von einem Anbieter dominiert wird, sehe ich sowohl bei Google als auch bei Apple. Darüber sollte man in der Tat nachdenken. Aber keines der beiden Unternehmen steht analog für Freiheit oder für Kontrolle. Beide machen ähnliches und sind gerade deshalb Konkurrenten. Vielleicht stellen sie ihre Aktivitäten anders dar. Aber das sollten gerade Kommunikatoren erkennen. Aus meiner Sicht gibt es unter den großen innovativen Anbietern im Web: Apple, Google, Microsoft, Facebook keinen, der für ein anderes Prinzip steht als: den Versuch eine maximal große Wertschöpfungskette unter seinem Dach zu vereinen.

Fit für die Krise in China

von Agnes Grill

Hohes Tempo, zunehmend nationalistische Berichterstattung in den Medien und anti-ausländische Kampagnen im Internet: das sind nur einige der Herausforderungen, denen sich ausländische Unternehmen im chinesischen Geschäftsleben stellen müssen. Wie diese ihr Ansehen in China verteidigen und Krisensituationen am besten bewältigen können, war vergangene Woche Thema beim vierten Sino-German Communication Forum in Peking, das Storymaker initiierte und gemeinsam mit dem German Center veranstaltet.

Erst kürzlich in Peking angekommen und neu im chinesischen Storymaker Team, war die Veranstaltung für mich besonders lehrreich. „Wer Geschäfte in China macht, muss unterscheiden lernen, welche Krisen besiegt werden können und welche nicht”, lautet die zentrale Botschaft, die ich aus der Rede von Keynote-Sprecher Alistair Nicholas mitgenommen habe. Der Australier ist einer der bekanntesten Experten für Krisenkommunikation in China und gründete 2003 sein eigenes Beratungsunternehmen, AC Capital Strategic Consulting, mit Sitz in Peking.

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Krisen-erprobt: Alistair Nicholas

Nicholas ist ein hervorragender  Redner und sein Thema spannend wie ein Krimi. Bevor ich auf die Uhr sehen konnte, war eine Stunde vorbei und ich hatte viel gelernt – darüber, dass in einer Krise für die Öffentlichkeit immer die Wahrheit und offensichtliche Reue zählt, dass die Beschwerde eines einzelnen Kunden ausreichte, um einen großen ausländischen Mobiltelefonhersteller in eine verherende Krise zu stürzen, dass ein Skandal in der Fabrik nur eines Produzenten die gesamte chinesische Mondkuchen-Industrie zum Einbruch brachte und, dass auch ein Krisen-Experte selbst nicht vor Angriffen Dritter auf seine Website geschützt ist. Bereits zwei Mal wurde Alistair Nicholas das Opfer von Hacker-Angriffen, konnte tagelang nichts in seinen Blog schreiben oder wurde plötzlich zur Angebotsseite für Sex-Dienste. Nun hat er beschlossen, seine Server alle ins Ausland zu verlagern.

Den Schwerpunkt seines Vortrags legte er auf eine professionelle Vorbereitung, die jedes Unternehmen – nicht nur in China – durchführen sollte:
- Ein systematischer Ansatz, der es ermöglicht, die Art der Krise zu definieren, in der sich das Unternehmen befindet – und ob diese es wert ist, bekämpft zu werden oder nicht.
- Ein regelmäßig aktualisiertes Risikoprofil, ein Risikomanagementplan und eine Strategie für den Umgang mit möglichen Krisenenszenarios.
- Ein ausgebildetes Krisenteam und ein Unternehmenssprecher, der für den Umgang mit der Presse und der Öffentlichkeit während der Krise trainiert ist.
- In der Krisensituation nicht die Medienkontakte in den Vordergrund zu stellen sondern die Unterstützung einer breit gefächerten Gruppe von Interessensbildnern zu gewinnen.

Der Krisen-Experte, der viele Jahre in der PR-Agentur Edelman als Berater tätig war, warnte vor  Mythen des Krisenmanagements in China: Beziehungen zur Regierung oder Freundschaft zu Journalisten sind in der Krise genauso schnell vergessen, wie das bisherige Engagement des betroffenen Unternehmens für das Land. Deshalb ist es besser, wenn Unternehmen seine Dienste anfragen…

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