Storyblogger - Weblog für Public Relations

Formspring oder das Ende der Transparenz

von Björn Eichstädt

Wer noch nie von Formspring gehört hat, der gehört sicherlich zu einer Mehrheit. Bis vor ein paar Tagen war mir dieses neue Lieblingsobjekt der PRler 2.0 ebenfalls unbekannt. Doch dann konnte ich schon einen gewissen Reiz an dem Tool entdecken – denn ein öffentliches Q&A-Board mit direkter Integration in die etablierten Social-Media-Kanäle wie Twitter und Facebook – das hat doch seinen Reiz.

Problematisch wurde Formspring für mich, als ich mir ein paar Dutzend öffentliche Profile ansah. Vor allem die Tatsache, dass hier auch Fragen gestellt werden können, OHNE dass man sich identifizieren, also einloggen, muss. Das Pro-Argument, das mir sofort aus Twitter entgegenkam (von vielerlei Seite): So können auch kritische Fragen gestellt werden, selbst wenn sich der Fragende nicht “traut”, sich zu öffnen. Ja, das könnte die positive Ausnahme sein. Nachdem ich ein eigenes Profil für mich und Storymaker eingerichtet hatte wurde mir allerdings schnell klar, was anonymes Fragen auch bedeuten kann: genau das, was es in öffentlichen Foren und bei den dort zurecht kritisierten, anonymen Postings bedeutet. Zum Glück MUSS man nicht alle Fragen beantworten – und nicht beantwortete Fragen werden auch nicht angezeigt, durchaus aber auch ein Grund für Fragende noch einmal, wieder anonym versteht sich, hinterher zu pöbeln.

Formspring hat gleich zwei Schattenseiten, wenn es um anonyme Fragen geht: 1. wer einfach mal unter die Gürtellinie hauen will, der schießt aus der Deckung. 2. und das ist sicherlich die kritischere Komponente für Transparenz und Vertrauen (gerade in Unternehmen, die ein Tool wie Formspring ja auch nutzen könnten):  wer Schönfärben, den Fokus auf eigene Themen und Aussagen lenken will, der fragt sich einfach selbst. In guten Zeiten ist das vielleicht weniger schlimm, in einer PR-Krise allerdings wird ein Tool wie Formspring zum Bumerang. Denn kritische Leser werden jede anonyme Frage, die eine positive Botschaft des Unternehmens zur Antwort hat, extrem hinterfragen. “Hat da nicht die PR ihre Finger im Spiel gehabt?” und “Haha, schaut mal, jetzt fragen sie hier schon selber, das ist das Ende der Transparenz”. Formspring hat also seine positiven Züge. Der Einsatz für Unternehmen dürfte allerdings schwierig werden, außer man will sich den vorprogrammierten Transparenz-Gau gleich mit ins Haus holen.

PS: Um hier nicht alles schlecht zu reden: Ich kann mir Formspring schön als Fanclub-Tool für eine Band vorstellen . . .