von Björn Eichstädt
Jetzt hatten wir uns soviel Mühe mit dem neuen animated GIF für den Storymaker Account bei Twitter gegeben. Und jetzt unterstützt Twitter keine animierten Bilder mehr. Schade. Aber trotzdem erhalten wir das für die Nachwelt. Als Erinnerung an eine Zeit, in der noch alles möglich war beim Microblogging-Tool unserer Wahl.
von Björn Eichstädt
Kommt es nur mir so vor? Oder führt Twitter dazu, dass wieder interessantere Dinge in Blogs geschrieben werden?
Zu Anfang des Jahres hatte ich den Eindruck, Twitter würde dem traditionellen Bloggen den Rang ablaufen, aber inzwischen kommt es mir fast so vor, als seien viele dem Hype des Schnellen und Kurzen bei Twitter etwas überdrüssig geworden, als würde so langsam eine “gute Mischung” aus verschiedenen Publikationswegen entstehen: Aus Print, Blogs und Twitterei. Denn manche Gedankengänge eignen sich eben doch nicht für die kurze, schnelle, knackige Form. Manchmal möchte man einfach ein wenig durchatmen, und mal länger als 30 Sekunden bei einem Gedanken bleiben. Und dafür eignet sich das Bloggen eben doch viel besser als Twitter.
Was aber eindeutig ist: Twitter befeuert das Gelesen- und Kommentiertwerden von Blog-Beiträgen. Die Verknüpfung funktioniert aus irgendeinem Grund auch viel effizienter als bei den klassischen RSS-Feeds. Und: Die Beiträge in vielen Blogs werden wieder interessanter. Vielleicht, weil sie von dem Ansatz “Wisdom of the crowds” profitieren, weil sie Themen in den Kontext der aktuellen Diskussionen der Followerschaft setzen. Oder aber auch, weil die eher kurzfristigen und News-getriebenen Informationen eben den Weg der schnellen Verwertung gehen, ohne dass erst ein langatmiger Rechtfertigungstext im Blog darum gestrickt werden muss. Die Erklärungen sind vielfältig, der Effekt scheint aber eindeutig. Oder?
von Björn Eichstädt
Die meisten, die mich kennen, wissen: ich bin ein großer Verfechter des Digitalen, der Information über das Internet und der Vernetzung in sogenannten Social Media. Einer, der oftmals nicht versteht, warum es eigentlich noch so viele gedruckte Tageszeitungen gibt, wieso sich Print-Publikationen so lange halten können. Vor allem, weil sie doch außer “Qualitätsjournalismus” kaum ein schlüssiges Label für ihre Produkte finden. Und selbst dieses ist nicht überzeugend. Denn die meisten Publikationen erscheinen ja auch online – und ich denke, dass da ein ähnlicher Qualitätsmaßstab angelegt wird.
Warum also sollte ich noch Printprodukte lesen? Am Wochenende habe ich mich seit langem mal wieder einem intensiven Selbstversuch unterzogen und den Tag über die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, die ZEIT und brand eins (mit Absicht hier keine Links, es geht ja um Print) durchgearbeitet.
Das für mich überraschende Ergebnis: ich habe eine Alleinstellung für Print entdeckt, die ich bislang so gar nicht als vorteilhaft wahrgenommen habe: Dinge finden, die man NICHT gesucht hat. Denn tatsächlich ist das, was uns so oft als Vorteil von Online verkauft wird – das passgenaue, das “genau finden, was zu mir passt”, ja auch eine Einschränkung im Wahrnehmungsraum. Ich habe dutzende RSS-Feeds, ich schaue regelmäßig bestimmte Rubriken von Websites an, lese Blogs und habe viele Suchworte, die ich nutze um Google zu durchforsten, ich habe hunderte von Informanten, denen ich via Twitter followe. Aber: All diese Online-Informationen generiere ich auf Basis meines aktuellen Wissensstandes, nicht auf Basis eines zukünftigen Interesses. Und genau hier setzt mein gestriges, intensives Printerlebnis an. Denn ich habe Themen entdeckt, von denen ich bis dahin nicht wusste, dass sie mich interessieren. Und nach denen ich auch nie gesucht hätte. Ich habe nämlich ALLE Rubriken gelesen, nicht nur die, die ich im Zweifel auch über einen RSS-Feed erhalten hätte.
Print ist also eher ein Flanieren, ein Schaufenstergucken. Es folgt nicht dem Effizienzgedanken, der uns allen inzwischen schon so extrem innewohnt. Vielleicht ist Print eigentlich ein ideales Medium für den Zeitenwandel, für die “Gesellschaft des Glücks”. Natürlich in einer gesunden Mischung mit Social Networks für die schnelle Information. Vielleicht sind diese Gedanken gar nicht so neu. Vielleicht habe ich mich zu sehr auf das Digitale gestürzt, um diese Begründung in der Welt des “Online ist böse Geschreis” zu entdecken. Ich glaube aber, dass dem nicht so ist. Vielmehr haben die Printmenschen vergessen, dass es besser ist, den Vorteil des eigenen Produkts hervorzuheben, statt auf den Gegner im Sinne von “Online ist böse” einzuschlagen. Hier also mein Slogan für die Printindustrie:
“Print ist finden, was man nicht sucht.”
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