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In Stuttgart stinkt so manches

Eigentlich sollte ich vor ein paar Wochen auf dem Bürgerforum in Stuttgart mitdiskutieren zu „Feinstaub – welche Relevanz hat die Tageszeitung?“. Der Versuch, die Medienkrise an einem aktuellen Beispiel zu erörtern.

Die Diskussion ist ausgefallen, weil der Redner aus der Uni abgesagt hat. Ich wohne nicht in Stuttgart und bin kein Abonnent der Stuttgarter Tageszeitungen. Aber ich habe mich eingearbeitet und will das nicht für mich behalten:

  • Stuttgart hat in den letzten Jahren ein teils sehr negatives Image erworben. Nicht nur durch den Streit um den neuen Bahnhof S21, der nicht nur den Bahnhof in eine gigantische Baustelle verwandelt hat. Viel mehr durch den Feinstaub. Die Autostadt Deutschlands ist die schmutzigste Stadt der Republik. Bfui Deifl, schimpft da der Schwabe.
  • Die Stadt – mit grünem (!) OB „Fritzle“ Kuhn – verschreckt die Bürger regelmäßig mit „Feinstaub-Alarm“-Meldungen und bittet höflich ums Umsteigen auf den ÖPNV. Zu Berufszeiten sind die Bahnen aber ohnehin schon vollgestopft; das machen nur wenige. Weil das nichts nützt, denkt man jetzt über ein Fahrverbot für Diesel-PKWs nach oder will mit der Blauen Plakette die Besitzer der „Heiligsblechle“ bestrafen.
  • Die zwei führenden Stuttgarter Zeitungen berichten regelmäßig und brav über die Entwicklungen – in der „Stuttgarter Zeitung“ auf der 1. Seite, in den „Stuttgarter Nachrichten“ dann auf der 4. Seite oder andersrum. Der Verleger, in der Wirtschaft des Ländles bestens vernetzt, hat beide Zeitungen im Besitz, die Redaktionen gekürzt und zusammengelegt. Zum Schein gibt es jedoch weiterhin zwei Printexemplare – eine Mogelpackung.
  • Die Reichweite der Zeitungen sinkt, ist aber immer noch da. Ein Blick in die Social-Media-Welt offenbart jedoch das Manko: 4 Tweets im Monat zu „Feinstaub“, fast keine geteilten Inhalte – schon fast peinlich.

Oh je, armes Stuttgart, ging es mir durch den Kopf. Die baden-württembergische Metropole sollte eigentlich eine Stadt der Innovation sein. Grüne Politiker, starke Wirtschaftsunternehmen, viele Tüftler, zupackende Bürger. Gerade die Extremlage der Stadt im Kessel ist geeignet, um mit neuen Ansätzen der Umweltverschmutzung zu begegnen. Doch da ist Peking mit den Vorschriften für Elektroroller, Erdgas-Taxis, Stau-Anzeigen bis zur Neuzulassung von Autos per Lotterie deutlich weiter! Neuerdings setzt Chinas 30-Millionen-Metropole sogar einen neuen Trend beim Fahrradfahren mit Mobibike.

Meine Tipps zur Kommunikation:

  • aus den zwei Stuttgarter Zeitungen wird EIN starkes Blatt – mit Recherchepool, S2020magazin und einem digitalen Themenangebot. Auch eine Kooperation mit dem SWR – ähnlich wie WDR, NDR und Süddeutsche – könnte helfen, die komplexen Zukunftsthemen fundiert zu vermitteln. (Warum die Medien gerade in ihrer Krise eher gegeneinander kämpfen, verstehe wer will)
  • die Stadt ergreift die Initiative für eine Mega-City im Aufbruch und wird zum Labor und Mekka für innovative Konzepte bei E-Mobility, ÖPNV, Biking etc. S21 wird gebaut, weil es ein Bürgerentscheid so will. Also muss das Ganze jetzt gestaltet werden.
  • mit moderner Kommunikation auf allen Kanälen und an allen Touchpoints wirbt die Stadt um die aktive Mitgestaltung der Bürger, der Hochschulen und Unternehmen

Stuttgart muss raus dem Tal der negativen Nachrichten. Dazu können die Medienmacher einen Beitrag leisten.

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