Japan·Story-Entwicklung·Visuelle Kommunikation

Corporate Storytelling mit Manga?

Kommunikation durch Comics – dafür gibt es in Deutschland nur einige wenige Beispiele. Man denke an den großartig gereimten Feuersalamander Lurchi, der das Tragen von Schuhen des Herstellers Salamander zu einem Abenteuer machte. Oder die Knax-Hefte der Sparkasse, die vor allem in den 1980er Jahren das junge Publikum in die Filialen lockten. Und dann gab es noch den Air Bär von Air Berlin – bei dem nie so recht klar war, wen er genau erreichen sollte. Aber das war es dann auch schon.

Deutsche Comic-Ansätze aus der Vorvergangenheit – Lurchi der Feuersalamander

Neue Form des Storytellings – von Japan lernen

Hierzulande werden Bildergeschichten mit Sprechblasen traditionell eher als „Kinderkram“ betrachtet, der wenig seriös daherkommt. Deshalb hat sich vermutlich bisher noch keine weit verbreitete Kultur des Unternehmens-Storytellings über Comics entwickelt. Und das, obwohl das Genre in den letzten Jahren auch als Kulturform im feuilletonistischen Kontext immer ernster genommen wird. Meist stehen bei diesen Comics allerdings eher Unterhaltung und das Fiktionale im Zentrum.


Ganz anders in Japan, wo es im Bereich der Mangas (und der zugehörigen Bewegtbildgattung Anime) eine eigene Sparte für sogenannte „Educational Mangas“ gibt, die primär der Wissensvermittlung dient. Kinder lernen über die Educational Mangas bereits in der Schule japanische Geschichte, Weltpolitik und vieles mehr (etwas, das ich in ähnlicher Form nur einmal in der Kindheit gesehen habe, als ich eine „Bibel als Comic“ in die Hände bekam). Und auch im Erwachsenenalter sind Mangas eine der Hauptquellen für neues Wissen – sei es über Restaurants und Bars, über die Geschichte der japanischen Eisenbahn oder über deutsche Brettspiele. Es gibt eigentlich kein Thema, über das nicht ein oder mehrere Mangas veröffentlicht wurden.

Die Unternehmens-Story als Manga

Es liegt deshalb nahe, dass auch die Story von Unternehmen, ihrer Gründer, der Geschichte oder der Produkte über Manga vermittelt werden kann. Und tatsächlich gibt es in Japan viele Mangas aus der Welt der realen Wirtschaft. Besonders beliebt sind hierbei Biografien.

Business-Biografien als Manga sind besonders beliebt.

Etwa die des SoftBank-Gründers Masayoshi Son, die in drei Manga-Taschenbüchern vertrieben wird oder auch die Biografie von Steve Jobs, die als Adaption der offiziellen Walter-Isaacson-Niederschrift von der bekannten Mangaka (so nennt man in Japan Manga-Zeichner/Autoren) Mari Yamazaki umgesetzt wurde.

Es gibt auch Mangas, deren Inhalte von japanischen Unternehmen gestaltet und bezahlt werden. So existieren beispielsweise ganze Serien über die Herstellung von Industrieprodukten und ihren Einsatz. Diese Manga – etwa über die Herstellung von Kameras (gesponsert von Canon) oder den Einsatz von Industrierobotern (powered by Yaskawa) – werden an öffentliche Bibliotheken oder Schulbüchereien ausgeliefert und bieten auch für die Jüngsten unterhaltsame und gleichzeitig detaillierte Einblicke in die Welt der Wirtschaft und Technologie.

Industrieroboter im Lern-Manga unterstützt vom Hersteller Yaskawa


Vielleicht auch ein Weg für innovative PR in Deutschland?

So weit, so exotisch – das kann in Deutschland ja gar nicht funktionieren. Oder doch? Im Rahmen der Betreuung unseres japanischen Kunden Tanaka konnten wir im letzten Jahr auf mehreren Messen erleben, wie gut die Erklärung der technisch komplexen Themen der Edelmetall-Experten in Anime-Form (also Bewegtbild-Manga) beim deutschen Publikum ankam. Die zugehörigen Aufkleber mit den Charakteren aus dem Film waren innerhalb weniger Stunden vergriffen. Vielleicht ein Grund einmal darüber nachzudenken, wie man die Story des eigenen Unternehmens auf neue Art vermitteln kann – auch wenn man erst einmal ans andere Ende der Welt schauen muss, um sich inspirieren zu lassen.

Lustige Anime-Charaktere erklären die Edelmetallprodukte von Tanaka

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