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Brücken zwischen den Tech-Standorten Deutschland und Japan

Seit etwa drei Jahren ist Japan neben China in den Fokus unserer internationalen Agenturaktivitäten gerückt. Zum einen aus einem sehr persönlichen Interesse an dem Land meinerseits, zum anderen, weil Japan und seine Unternehmen diverse Dinge mit sich bringen, die für Storymaker eine zentrale Rolle spielen: einerseits eine starke Verankerung in unterschiedlichen Technologiesparten wie Mobile, IT, Maschinenbau, Automotive oder Consumer Electronics, andererseits viele spannende Herausforderungen an die Story und das zugehörige Storytelling, das für japanische Unternehmen nicht nur konzipiert und umgesetzt, sondern auch interkulturell übersetzt werden muss. Nur ein Beispiel: der klassische Held der amerikanischen Unternehmens-Story findet im Gruppenunternehmen Japans so fast nicht statt. Wie aber kann man eine Gruppe zum Helden oder den Einzelnen in den Fokus rücken?

Einige spannende Herausforderungen also, denen sich auch das Berliner Unternehmen bistream widmet. Dessen Gründer Makoto Takeda ist – nicht nur aufgrund seiner Biografie zwischen Deutschland und Japan – prädestiniert dafür Ostasien und Deutschland stärker zu verzahnen. Mit dem Standort Berlin hat er daneben seinen Fokus auf Start-ups gerichtet, deren innovative Frische und Unkonventionalität er mit den japanischen und ostasiatischen Technologiegiganten und Märkten vermählen möchte. Als Brückenbauer, Mentor und Initiator der Event-Plattform Bistream Venture Summit, die Storymaker als exklusiver Kommunikationspartner unterstützt. Ein Gespräch.

Der Bistream Venture Summit am 26. Mai in Berlin bringt erstmals Firmen aus ostasiatischen Ländern wie Japan und China mit Start-ups aus Berlin zusammen. Du bist mit bistream der Initiator. Was macht bistream?

Ostasien ist ein riesiger Markt für deutsche Start-ups, also sollte man schnell hingehen. Die Wege zwischen Europa und Asien sind aber immer noch zu weit in der Wahrnehmung. Das hat schlicht mit Barrieren in Sprache und Kommunikation zu tun. Also muss man wissen, wie man die richtigen Leute findet und wie man sich kennenlernt.

Das Simpelste was man dann tun kann wäre, das richtige Personal hier lokal zu einzustellen. Das ist aber nicht einfach, weil der Pool hier nicht allzu groß ist. Also geht man nach Tokyo oder Hongkong – sicher ein richtiger Schritt, wenn genug Investment da ist oder die Firma schon genug auf dem Heimatmarkt verdient. Was aber, wenn nicht? Fünf Jahre lang erst einmal abwarten?

Die Asien-Personalnot bei Startups in der Frühphase war initial für bistream das zu lösende Problem, die eine Seite des Marktes. Die andere Seite des Marktes – denn bistream positioniert sich zwischen Deutschland und Ostasien – ist das Bedürfnis nach Internationalisierung der Talente in Ostasien. Für Unternehmen in diesen Ländern ist es günstiger, in die Internationalisierung eigener Talente zu investieren, als für teures Geld Manager oder IT-Talente aus Europa oder den USA einzukaufen. Die häufigste Variante wäre dann die Freistellung dieser Talente für einen MBA-Kurs in einem englischsprachigen Land. Dies ist jedoch kostenintensiv, und das akademische Umfeld ist ein geschütztes. Ganz anders die Welt der Startups. Hier wird zwar genauso Englisch gesprochen, aber von der Praxis geschützt ist keiner. Man ist jede Sekunde in der Praxis, und dies unter großer Verantwortung. Das Start-up ist eigentlich ein ideales Umfeld für die “wirkungsechte” Internationalisierung der Firmentalente aus Ostasien. bistream ermöglicht, dass Firmentalente aus Ostasien für Aufgaben von Startups, sei es Marketing in Ostasien, sei es IT-Entwicklung, zur Verfügung stehen – im Rahmen eines Trainingsprogramms.

Ihr seid also als eine Art Personalvermittlung und -entwicklung zwischen Start-ups und ostasiatischen Techfirmen gestartet. Wie kam es dann zum Bistream Venture Summit Event? 

Der Event soll dazu dienen, erste Berührungsängste zwischen den relevanten Protagonisten aus Deutschland und Ostasien abzubauen, sich zu informieren und gegebenenfalls auch erst einmal die Relevanz des Themas für sich zu entdecken. Dafür muss man im ersten Schritt zunächst viele junge Startups in Deutschland dazu inspirieren, nach China, nach Japan, nach Korea, nach Taiwan zu schauen. Es gibt immer mehr transatlantische Investitionen nach Berlin, und so manches deutsche Start-up sucht den Weg in die USA als nächsten Schritt, wenn es sich erst einmal auf dem deutschen Markt etabliert hat. Das macht natürlich sehr viel Sinn, denn der Markt dort ist ungefähr viermal so groß wie unserer. Aber Ostasien ist nochmal 20 Prozent größer als der US-Markt.

Einige Startups wagen bereits einen Perspektivwechsel und gehen nach China, nach Japan. Für Apps ist der japanische Markt der weltgrößte – nicht die USA. Und dort bezahlen User für Apps. Von den Erfahrungen dieser Startups, die den Gang nach Japan oder China gewagt haben, können andere Startups viel lernen, um sich schneller in den insgesamt wachsenden Märkten Asiens zu positionieren. In den Panels werden erfahrene Startups und Gäste aus Ostasien konkrete Erfahrungen und Tipps teilen. Im „Pitch“-Teil erhält jedes Startup ein Feedback von Profis aus Ostasien – so können sie aus erster Hand erfahren, wie sie Ihre Produkte oder Dienstleistungen anpassen könnten, um auf diesen Märkten schneller erfolgreich zu werden.

Welche Impulse erhoffst Du Dir von dem Event und welche Kontakte sollen vor Ort idealerweise entstehen?

Dass viele Startups sich früh Ostasien als Märkte anschauen. Und Kontakte zwischen allen möglichen Teilnehmern entstehen. Es ist nicht nur der Investor, der helfen kann. Man soll auch viele Peers kennenlernen, die Erfahrungsschätze angesammelt haben und gerne weitergeben.

Brücken zwischen Berlin und Tokyo bauen – ist die Silicon-Valley-Kooperation out?

Das Silicon Valley wird sicher das Silicon Valley bleiben. Sushi ist auch Sushi geblieben. Aber jetzt gibt’s Sushi überall. Erfolgreiche Konzepte verbreiten sich. Silicon Valley ist nicht out, sondern überall im Entstehen. Auch in Berlin und Tokyo.

Das Startup-Ökosystem wird sicher auch lokale Eigenschaften aufweisen. So gibt es Merkmale, die für Berlin typisch sind, oder für Tokyo. Ich denke, dass die Brücke zwischen den Startup-Ökosystemen in Japan und Deutschland ein eigenes “Verbindungsökosystem” werden kann. Da wird der Gedanke Nachhaltigkeit und Vielfalt eine wichtige Rolle spielen, die beispielsweise Japan und Deutschland teilen. Denn sowohl in Deutschland als auch Japan werden Veränderungen bevorzugt, die langsamer und nachhaltiger greifen. Und es gibt in beiden Kulturen viel Toleranz, Respekt und Raum für Nischenmärkte. Ein ganz wesentliches Merkmal, die beiden Wirtschaften gemeinsam ist, ist die Relevanz und der Stellenwert der kleineren und mittleren Unternehmen, die lange Traditionen haben, bodenständig sind, und doch global aufgeschlossen sind. Die Ökosysteme haben Ähnlichkeiten.

Was planst Du als nächstes, um die Beziehungen zwischen Deutschland und Ostasien zu intensivieren?

Erstmal das Talentprogramm von bistream ausbauen – denn bisher habe ich nur Programme für IT-Entwickler. Und in diesem Sommer möchte ich die ersten Studenten aus Japan in einem Berliner Startup begrüßen! Das Talentprogramm für IT-Entwickler, das wir mit Recruit Technologies in Japan aufgebaut haben, läuft übrigens sehr gut! Auch Startups sind über die hohe technische Kompetenz und den Fleiß der Entwickler von Recruit Technologies (Anmerkung des Autors: seit kurzem auch Storymaker-Kunde) sehr begeistert.

Recruit Technologies ist mit seinem Advanced Technology Lab einer der technologischen Vorreiter in Japan.

Sonst möchte bistream auch dazu beitragen, dass die Außenhandelsorganisationen von Japan, China und Korea in Bezug auf Start-ups aus Deutschland stärker zusammenarbeiten.. Sie stehen derzeit eher in einem Konkurrenzverhältnis zueinander – aber wenn sie geschlossen auftreten und der Start-up-Szene gegenüber sagen: „Hey! Wir sind ein größerer Markt als die USA!  Kommt nach Ostasien!“, dann hat man sicher mehr Wirkung.

Makoto, danke für das Gespräch.

Wer Lust auf das Bistream Venture Summit Event am 26. Mai in Berlin bekommen hat, der kann sich hier anmelden: http://www.eventbrite.com/e/bistream-venture-summit-investors-trends-markets-of-east-asia-tickets-16737202423

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