von Heidrun Haug
Wichtigster Absatzmarkt für deutsche Maschinenbauer ist China. Damit geht es den Fertigungsunternehmen ähnlich wie der Automobilindustrie. Doch während die PKW-Bauer teure Luxusmodelle puschen, denken die Maschinenhersteller über Downsizing ihrer Produkte nach. Passt das zum Wandel Chinas vom Billiglohnland zum Hightech-Produzenten?
Im Juni fand in Peking die Maschinenbau-Messe CIMES statt. Viele deutsche Hersteller sind vertreten. Auf der Pressekonferenz gab der Branchenverband bekannt, dass deutsche Unternehmen in 2011 für rund 19 Milliarden Euro Maschinen ins Reich der Mitte exportierten. Mehr als je zuvor. „Eine Erfolgsstory“, sagt VDMA-Präsident Dr. Thomas Lindner. Im gleichen Zeitraum sind die Importe chinesischer Maschinen nach Deutschland um 13 Prozent auf eine Milliarde Euro gestiegen.
Die Kluft scheint noch groß. Deutschland bleibt Weltmarktführer in der Mehrzahl der Branchenfelder. Aber China ist inzwischen in sechs von 32 Fachzweigen des Maschinen- und Anlagenbaus die führende Exportnation. Und in großen Artikeln, etwa in der Financial Times vom 12. Juni („In search of inspiration“) steht, dass China nicht nur der weltgrößte Fertigungsmarkt ist. Immer häufiger fügt die Regierung Hu Jintaos marketingbewusst hinzu, dass man mit Innovation, Qualität und Hightech-Produkten das Image des Riesenreichs nachhaltig verändern will.
In der Marketingoffensive Chinas stecken zwei Botschaften: zum einen entsteht eine lokale Fertigungskonkurrenz, die im unteren und mittleren Preissegment angreift. Zum andern brauchen die chinesischen Hersteller noch mehr Präzisionsmaschinen aus Deutschland und Europa, um ihre Produkte zu verbessern. Risiko und Chance zugleich für den deutschen Mittelstand.
Mit „Gut-Genug“-Technologie versuchen nun etliche Unternehmen, allen voran Bosch (http://www.bosch.de), das Mittelfeld zu besetzen. Weniger Features, dafür preisgünstiger. Gleichwohl wissend, dass sie sich damit möglicherweise ihre Premiumprodukte kannibalisieren. „Gut genug“ – da schwingt ein diskriminierender Unterton mit, der den Chinesen nicht gefallen wird. „Ein Fall für die Gleichstellungsbeauftragte“, spottet ein deutscher China-Kenner. Man mag sich gar nicht ausdenken, was passiert, wenn einer der gewieften chinesischen Blogger darüber schreibt – ein erneuter Shitstorm wäre das Resultat.
Den überwiegend mittelständischen Herstellern fehlt häufig die Kraft, ihren Marktanteil in dem riesigen Land schnell genug auszuweiten. Wo sind meine Kunden, wo kann ich sie treffen, wie erfahren sie von mir, wie erkennen sie mich? Das waren die Fragen von den meisten Teilnehmern einer Tagung des Verbandes der Werkzeugindustrie (VWD) in Chongqing. Selbst eine Marke wie Bosch kämpft heftig um sein Image in China. Zwar kennt jeder Chinese den deutschen Namen, bringt ihn aber in Verbindung mit Kühlschränken – und nicht mit Hightech etwa für die Automobilindustrie.
China lässt sich nur mit professionellem Marketing erobern. Von den großen Consumer-Marken lernen, ist deshalb die einzige Lösung. Für die Maschinenbauer bedeutet das:
Die chinesischen Unternehmen machen sich auf den Weg nach Europa. Doch bis zum „Created in China“ ist noch ein langer Weg. Die deutschen Unternehmen können die Zeit nutzen und ihre Premiumposition weiter ausbauen.