Wie die Weltmarktführer ihren eigenen Gipfel bekamen

von Heidrun Haug

Was hat Schwäbisch Hall mit Davos gemein? Beide Orte sind klein und abgeschieden, aber Treffpunkte großer Veranstaltungen. So bekannt wie der Weltwirtschaftsgipfel in den Schweizer Bergen ist der Kongress der Weltmarktführer noch nicht. Aber die versammelte Führungselite des deutschen Mittelstands in dem 37.000 Seelen Städtchen bringt einige Milliarden Euro Umsatz auf die Waage. Wie kam es zu dem Kongress, der im Januar zum zweiten Mal stattfand?

Steffen Schoch berichtet mit einem lachenden und einem weinenden Auge von den Geburtsstunden des „Weltmarktführerkongresses“. Der frühere Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH war bei der zweiten Auflage der Veranstaltung im Januar nur noch als Gast dabei. Gerne erzählt er die Geschichte, wie es zu der ausgezeichneten Marketingidee des „Weltmarktführerkongresses“ kam:

Viele Bausteine bildeten das Fundament. Als Schoch 1999 die Stelle für das Standortmarketing antrat, wurden zunächst vier Landkreise mit 111 Kommunen gebündelt. Mit einem kleinen Team und vielen studentischen Praktikanten brachte die neue Wirtschaftsfördergesellschaft mehr als 40 Studien-Arbeiten auf den Weg. Und lieferte die Fakten für die Positionierung: In der Tat ist Heilbronn-Franken über einen langen Zeitraum die wirtschaftsstärkste Region in Deutschland mit der größten Dichte an Marktführern. Maßgeblich dafür sind viele hochspezialisierte Unternehmen, die in ihrem Segment zu den Top 3 auf der Welt gehören. „Das war den meisten Unternehmern gar nicht bewusst“, sagt Schoch. Und ebenso erstaunlich: Wenn sie nicht gerade in derselben Branche tätig waren, kannten sie sich untereinander nicht einmal.

Auf dem Flug von Berlin nach Stuttgart gab es die zufällige Begegnung mit Professor Venohr, der die Erfolgsfaktoren marktführender Unternehmen untersuchte und später das Lexikon der 1.300 deutschen Weltmarktführer herausbrachte. Für die Ausrichtung der jährlichen Stallwächterparty der baden-württembergischen Landesregierung in Berlin wurde der erste Slogan für die Region geboren: „Wein, Schwein, Weltmarktführer – Heilbronn-Franken grüßt Berlin“. „Viele fanden diese Verknüpfung mit dem schwäbisch-hällischen Landschwein anstößig“, erinnert sich Schoch. Doch zum einen sichert dieses schwarz-weiß gefleckte Schwein vielen Bauern in der Region das Überleben. Und zudem, so der Marketingprofi „fällt man nur auf, wenn man aus der Reihe fällt.“  Die Allerwelts-Plattitüden „Bei uns ist die Innovation zuhause“ oder „Wir arbeiten dort, wo andere Urlaub machen“ kamen für ihn nicht in Frage.

Die Party in Berlin wurde ein Riesenerfolg – das erste sichtbare Ergebnis einer durchdachten Planung und engagierter Kleinarbeit.

Aus dieser Erkenntnis entstanden die ersten Strategietreffen mit den Weltmarktführern in der Jagstmühle im Hohenlohischen. Dann kam 2009 und damit die Krise. Die geplante erste große Veranstaltung fiel ihr zum Opfer. Doch ein weiterer Zufall ließ die Idee weiter wachsen: Beim Automobilgipfel in Graz sprach Netzwerker Schoch den veranstaltenden Süddeutschen Verlag an und übertrug den Virus für einen gemeinsamen Kongress in „seiner“ Region. Zu Beginn 2010 konnte man auf dem ersten Kongress die „Lehren aus der Krise“ ziehen. Der Kongress in der Bausparkasse Schwäbisch Hall, begrüßt von dem hier aufgewachsenen und zum Mitveranstalter avancierten Ex-Wirtschaftsminister Walter Döring, wurde ein Bombenerfolg.

War es ein Spaziergang? „Sicher nicht“, sagt Schoch. Aber: „Mit Wind ist noch kein Drachen gestiegen.“ Er liebt Gegenwind und er liebt Herausforderungen. Dass sich heute auch andere den Erfolg auf die Fahne schreiben, nimmt Schoch, der mittlerweile bei Dr. Rochus Mummert & Partner mittelständische Unternehmen berät, gelassen. „Der Erfolg hat immer viele Väter.“

 

Steffen Schoch, ehemaliger Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Heilbronn-Franken GmbH

 

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