von Björn Eichstädt
Ich gestehe: Foursquare habe ich lange Zeit nicht verstanden. Immer wieder tauchten in meiner Twitter-Timeline oder bei Facebook Nachrichten von Menschen auf, die irgendwo der “Mayor” wurden oder irgendwo “eincheckten“. Was mir erstmal als eine relativ sinnlose Tätigkeit vorkam. Und das, obwohl ich die Foursquare App schon recht lange auf meinem iPhone habe.
Für diejenigen, die Foursquare nicht kennen: Es handelt sich kurz gesagt um ein Social Network, das sich vor allem auf Orte (location-based) bezieht. Wenn ich an einen Ort (ein Restaurant, eine S-Bahn Station, die eigene Firma, einen Park etc. etc.) komme, kann ich hier “einchecken”. Ich markiere den Ort also als von mir besucht. Die Mitteilung über den Check-in kann ich direkt aus Foursquare heraus an Communities in Twitter oder Facebook weitergeben oder direkt an meine Freunde im Foursquare-Netzwerk. Wer am häufigsten an einem Ort eingecheckt hat wird der “Mayor” des Orts. Und Orte, die es noch nicht gibt, kann ich neu zu Foursquare hinzufügen. Außerdem ist es möglich, vor Ort Tipps oder Anmerkungen zu hinterlassen. Etwa, welches Gericht in einem Restaurant besonders gut schmeckt. Oder was man einem Ort unbedingt machen sollte. Und: man kann kleine Badges einsammeln, dafür dass man bestimmte Dinge erreicht hat. Etwa eine bestimmte Anzahl von Check-ins am Tag.
Was das alles im Großen bedeutet, das war mir trotzdem lange nicht klar. Bis Facebook mit der Strategie der I-Like-Buttons daherkam. Internetweiten kleinen Facebook-Franchises auf allen nur denkbaren Websites. So sind Besuche und “Likes” von Produkten, Artikeln und ganzen Websites überall im Netz im eigenen Facebook-Profil ersichtlich. Gefundenes Fressen für Online-Händler und Medien-Anbieter, die damit ihre Angebote mit Facebook-Profilen von Käufern und Lesern verknüpfen können. Aber was hat das mit Foursquare zu tun? Nun: mit Foursquare wird nicht irgendein Angebot im Netz markiert und einer Community zugänglich gemacht. Mit Foursquare kann man die ganze Welt markieren! Das Angebot ist sozusagen der “I-Like-Button für die Real-World”. Im Moment noch klein und im verborgenen. Aber meiner Meinung nach – wenn die Macher alles richtig machen – bald schon der Hauptkonkurrent von Facebook. Die Aufteilung im ersten Schritt ist klar: Facebook für die virtuelle Welt, Foursquare für die echte.
Und dann hat Foursquare vor allem für Unternehmen noch andere Implikationen. Erinnert sich noch jemand an die Aufregung zu Google Sidewiki? Eine Google-Funktion die es ermöglicht, jede x-beliebige Website zu kommentieren? Und das auch ganz ungefragt und im Zweifel negativ? Oder den Angriff von Greenpeace gegen Nestlé auf Facebook? Nun ja. Dann sollte man einmal darüber nachdenken, was mit Foursquare so möglich ist. Denn dieses ist nicht nur der “I-Like-Button der Echtwelt”. Es ist auch das Sidewiki und die Facebook-Fanpage fürs reale Leben. Und es ermöglicht neben vielen schönen Dingen eben auch Angriffe auf Unternehmen – aus dem Herzen des Unternehmens heraus: dem Headquarter. Und sicherlich werden wir bald den ersten Fall erleben. Etwa Attacken gegen BP auf Tankstellen im Bereich “Tips” bei Foursquare. Das läge nahe. Aber natürlich kann man auch viele schöne positive Dinge damit tun. Wie Starbucks, die dem “Mayor” umsonst Kaffee anbieten. Aber da geht natürlich mehr. Allein schon, dass man als Firma eine kleine Beschreibung hinterlässt, was sich hinter dem Gebäude eigentlich so verbirgt. Als minimaler Einsteig. In jedem Fall: Foursquare hat eine große Zukunft. Das weiß ich jetzt. Es hat ein wenig gebraucht.
Achso: ich bin hier bei Foursquare.