Digitale Kommunikation·Social Media

Die asynchrone Timeline oder: Beschleunigung bei Twitter

Timelines werden die neue Herausforderung in der Social-Media-Kommunikation – das wird mir immer bewusster. Denn jetzt, wo sich die Early-Adopter so ziemlich alle in Sphären oberhalb von 1.000 Followern bei Twitter oder 500 Kontakten bei XING befinden, taucht ein interessantes Phänomen auf. Die asynchrone Timeline.

In letzter Zeit ist es mir immer wieder passiert, dass mich Follower bei Twitter angeschrieben haben, mit dem Tenor: Sie twittern zu viel. Sie verstopfen meine Timeline. Und so weiter. Erst war ich verwundert, dann schaute ich mir meine Tweets im Kontext (meiner!) Gesamt-Timeline an und dachte: wieso, ist doch gar nicht so viel, andere twittern mehr. Und dann fing ich an mir Gedanken zu machen: Als wir 2008, Anfang 2009 anfingen, da hatten alle in etwa den gleichen Follower-Stand. Langsam wurden es mehr, aber man entwickelte sich kontinuierlich miteinander voran. Man folgte selbst immer mehr Personen, konsolidierte und pendelte sich schließlich bei ein paar hundert „Followings“ ein. Die Timeline rauschte an einem vorbei und man gewöhnte sich peu à peu an die Geschwindigkeit. Doch mit der großen Twitter-Welle kamen immer mehr Twitterer hinzu. Die folgten erst ihren Freunden, die im Zweifel einmal am Tag einen Tweet absetzten, und dann vielleicht mir oder einem anderen „Viel-Twitterer“. Und natürlich: vermutlich sahen diese Personen unter 20 Tweets, 19 von mir. Ein Problem. Denn die Geschwindigkeit meiner Timeline unterscheidet sich signifikant von der desjenigen, der gerade erst mit Twitter beginnt.

Und jetzt kommt die klassische Frage, die jeder Kommunikationsberater kennt, der mit seinen Kunden auch über Social Media spricht: „Wie oft muss ich denn einen Tweet absetzen, um wahrgenommen zu werden?“… Bei Betrachtung der „asynchronen Timeline“ muss ich sagen… hmmmmm…. es kommt drauf an, ob sie die Viel- oder die Wenigtwitterer erreichen wollen. Und ähnlich scheint mir das der Fall zu sein mit der Statusmeldung bei XING. Je nachdem wie viele Kontakte eine Person hat, ändert sich die Geschwindigkeit seiner Timeline. Der Faktor „Speed“ ist also nicht zu verachten. Menschen leben auch im Netz in unterschiedlichen Geschwindigkeiten. Sie unterscheiden sich nicht nur signifikant vom Offliner, sondern auch untereinander. Das könnte wichtig werden für die Wahrnehmbarkeit von Twitter-Accounts von Unternehmen. Aber was man dagegen tun kann, das weiß ich selbst noch nicht so genau. Da würde mich auch Eure Meinung interessieren.

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11 Replies

  1. Ich kenne dieses Problem und wurde darauf auch schon angesprochen. Ich würde diese Frage splitten. Die eine Frage ist, wie viele Tweets setze ich ab. Dazu habe ich mal gelesen, dass so zwischen 10-12 pro Tag noch drin liegen (also so alle Stunde mal einer). Wer dann wenige Twitterer in seiner Timeline hat, der bekommt sie gebündelt, wer eine umfassende Timeline hat, sieht unter Umständen nur einen Bruchteil meiner Meldungen.

    Dann kommt aber sofort die Frage nach dem Inhalt. Wer vom gleichen Absender mehrere Tweets hintereinander liest, betrachtet das auch kritischer. Beim Inhalt erwarte ich Nutzen in Form von Information oder Unterhaltung. Was ich weniger mag sind RT ohne Ergänzung, warum sie weitergegeben wurden, #ff vollbepackt mit Namen und dann noch gleich mehrere hintereinander. Ins gleiche Thema gehen auch Schulungen, die über Twitter abgehalten werden, so was erlebe ich aus dem angelsächsischen Raum. In solchen Momenten wäre ich froh, ich könnte einen Twitterer temporär desaktivieren.

    Die Frage nach Frequenz und Relevanz muss jeder für sich selber ausmachen – so wie man einem Unternehmen auch nicht vorgebe kann, wie viele Medienmitteilungen es verschicken soll.

  2. Meiner Meinung nach kommt es nicht darauf an, ob einer mit Twitwittern beginnt oder schon länger twittert, sondern die Frage ist: Wozu nutze ich Twitter? Ich persönlich bin interessiert daran via Twitter auf Informationen/interessante Artikel zu stoßen, die ich selbst nicht ohne Weiteres gefunden hätte. Daher habe ich schon den einen oder anderen „entfolgt“, der mir dauernd mitteilt, auf welchem Weg zu welchem wichtigen Meeting er gerade ist oder andere „narzisstische“ Dinge, die für mich keine Relevanz haben. Daher ist für mich, auch was Twitter anbelangt, weniger mehr.

  3. @BarbaraSchieche – das ist ein weiterer Punkt, es geht aber aus meiner Sicht nicht so ganz auf die Fragestellung ein. Die Frage ist für mich vielmehr: wenn ich ein Unternehmen bin und wahrgenommen werden möchte, wie hoch muss ich die Frequenz ansetzen, um bei den Early Adoptern wahrgenommen zu werden…?

  4. Für die Early-Adopters brauchst du hohe Freqenzen und vor allem wechselnde Tageszeiten. Hier kommt es auch aufs Thema an. Reine Sachinformation und Wissen eher untertags, Unterhaltung eher gegen Abend. Was ist deine Erfahrung? Und machst du einen Unterschied zwischen Arbeitstagen und Wochenden?

  5. Für dieses Problem könnten eigentlich Listen auf „Rezipienten“-Seite als Lösung dienen. Habe aber den Eindruck, Listen haben sich dafür nicht so recht durchgesetzt. Wahrscheinlich auch wegen noch immer fehlender Untersützung bei vielen Apps(?). Ich musste allerdins auch feststellen, das die Erstellung und Pflege der Listen doch aufwendiger ist, als gedacht.

  6. So wie du die Frage in #3 gestellt hast kommst du m.A.n. auf den Kern des Pudels: Wen willst du erreichen? Twitter ist inzwischen so diversifiziert, dass du nicht mehr alle glücklich machen kannst, damit musst du dich Fragen, wer ist deine Twitter Sub-Zielgruppe, wie twittern die wann, was wollen die wie lesen. Wenn du die Hardcore Early Adopters mit konstant vorbeirauschender Timeline erreichen willst, musst du konstant nützlichen, wechselnden Content twittern, der für eine bereits informierte Zielgruppe immer noch Nutzwert bietet. Das wird dir die Newbies abschrecken. Damit ist die vom Kunden so schön einfach gestellte Frage so auch nicht mehr so zu beantworten. Anders ausgedrückt: Wenn der Kunde die Frage so stellt, musst du ihm Twitter sanft noch einmal erklären. Oder?!?

  7. Natürlich sind die Probleme nicht nur die Leute, die sich beschweren, sondern eher die Twitter-Neulinge, die sich denken „was für ein Freak“ und einfach auf unfollow klicken. Das kann man natürlich kaum vermeiden, denn gerade bei jemandem mit 35 verfolgten Accounts füllt man eben die halbe Timeline, ehe man sich versieht.

    Bei privater Twitter-Nutzung würde ich empfehlen, einen privaten und einen geschäftlichen Account anzulegen. Leute, die mir wegen Linktipps und Kommentaren zum Social Web folgen, interessiert es sowieso nicht, wo ich mir gerade einen Döner reinpfeife. Oder privates Zeug einfach ganz auf Facebook verschieben.

    Bei professionellen Accounts würde ich nach Relevanz entscheiden. Generell erwarte ich von Firmen-Accounts, dass sie nur twittern, wenn es wirklich etwas zu berichten gibt, oder eben ein fantastischer Link geteilt wird. Ich persönlich bin auch der Meinung, die Frequenz von Firmen-Tweets sollte lieber zu niedrig als zu hoch sein.

    Grüße,
    Falk Ebert

  8. Die Ausgangsposition für die Nutzung von Twitter innerhalb von PR und Unternehmenskommunikation sehe ich in den traditonellen Fragen: Wen möchte ich erreichen? Was möchte ich ihm mitteilen (auch im Falle des bei Twitter mehr als nur durchaus möglicherweise entstehenden Dialogs mit dem Empfänger). Wie erreiche ihn wen am besten? Wie kann ich relevant sein?
    Die Timeline sehe ich hierbei nicht als das Problem Nummer eins, sondern eher die Inhalte der tweets. Mit meinem privaten Twitteraccount nutze ich das meiste dessen, was an mir vorbeirauscht, dies allerdings nur für die Zeiträume, die ich tatsächlich bei Twitter verbringe. Die in anderen Kommentaren angesprochenen Tweets von wegen „seit 5 stunden #meeting,zum glück gibt es das #mobile #web“ u.ä. kann man ja bei Bedarf abschalten. Das gehört ja zu den Vorteilen im Web 2.0: Wer mich vollsülzt, dessen Kanal schalte ich aus. An diesem Punkt treffen sich doch die klassischen Massenmedien mit den Social Media. Nervt die Werbung im Fernsehen mal wieder – zapp. Nervt der xte Tweet über das ach so kalte Wetter – unfollow. Letztlich entscheidet der Nutzer, es ist lediglich eine Frage der Medienkompetenz. Und die PR und Unternehmenskommunikation stellt es vor die einmal mehr noch spannender werdende Frage: Wen möchte ich erreichen und – wie erreiche ich ihn tatsächlich?! Sind die Inhalte gut, werden sie auch wahrgenommen. Zumindest im Zeitraum der jeweils aktiven und dann auch gezielten Nutzung von z.B. Twitter durch die jeweiligen Follower/Abonnenten/Nutzer/Kunden/Leser usw … Allen recht machen kann man es bei der Diversifikation ohnehin nicht.

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