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Du bist die Demontage

Dass Weblogs einen Effekt haben und eine bedeutende Rolle in der Medienlandschaft spielen, wollen viele ja noch immer nicht glauben. Dabei gibt es inzwischen einige Beispiele, die zeigen, dass eine Blogosphärendiskussion auch ganz schnell auf die traditionellen Medien übergreifen kann. Mit welcher Dynamik dies passiert, möchte ich gerne kurz nachzeichnen. Am Beispiel der Medienkampagne „Du bist Deutschland“.

Eigentlich haben sich die Kollegen aus Agenturen und Medien große Mühe gegeben mit der Kampagne, die Aufbruchstimmung nach Deutschland bringen soll. Ein Mammutunternehmen, für dessen Koordination ich erstmal meine Hochachtung aussprechen will. Doch: Ob man mit Marketing die Stimmung in einem Land kippen kann, das tatsächlich relevante Probleme sein Eigen nennt, wage nicht nur ich zu bezweifeln. Auch einige gewichtige Teilnehmer der Blogosphäre tun dies.

Und so startete mal wieder der Spreeblick, bekannt geworden durch die Anti-Jamba-Kampagne, mit einer witzigen und sehr kreativen Idee zum Start von „Du bist Deuschland“. Schon das führte zu Reaktionen in der regulären Presse. Doch während die Kampagne fröhlich weiter die gute Stimmung im Land anzukurbeln versucht, hat sich im Blogosphären-Underground einiges getan. Und am vergangenen Dienstag, folgte die Präsentation eines Fundes, der die Kommentarleiste des Spreeblicks beinahe in die Knie zwang.

Und dass auch die Vertreter der Presse kräftig lesen, zeigte sich kurz darauf bei Spiegel online, die das Thema natürlich gerne aufgriffen. Und schon ist aus einer kleinen Blogosphären-Diskussion ein in der Öffentlichkeit der Medien diskutiertes Thema geworden.

Warum das alles so und nicht anders läuft? Nun: Journalisten interessieren sich für Neues, also auch für Blogs. Und Journalisten sind heute mehr denn je darauf angewiesen, dass ihnen die Themen auf den Schreibtisch bzw. in den Rechner flattern. Da kommen die Weblogs als Rechercheinstrument gerade recht. Deshalb sind Weblogs auch für PR-Leute wichtig. Sie haben eine Stimme!

Nachtrag: Jetzt werden sogar schon die Historiker befragt.

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4 Replies

  1. Zufall?
    Der in jeder Unternehmerkampagne für Sozialabbau (Auch bei „Du bist Deutschland“) vorhandene Professor Arnulf Baring gab am 10. November 2003 im ZDF-Nachtstudio (zitiert nach stern 48/2003) zum Besten:

    „Der Hitler hat ja in einem Maße dieses Land in Bewegung gebracht, das man sich heute gar nicht mehr vorstellen kann. Er hat in den 30er Jahren, was bis in die 40er, 50er, man kann sagen: in die 60er Jahre weitergewirkt hat, den Leuten einen Elan vermittelt, der vollkommen von uns gewichen ist….
    Wenn ein Bruchteil des Enthusiasmus, den der Hitler leider Gottes mobilisieren konnte, für die Republik mobilisiert würde, wären wir aus allen Schwierigkeiten raus.“

  2. Trotz allem würde ich diese Intention nicht unterstellen, ich halte das doch eher für einen dummen Zufall. An der ganzen Geschichte finde ich die Dynamik der Blogs und die Reaktion der „etablierten“ Medien spannender, als die inhaltliche Aussage. Aber auch da kann man unterschiedlicher Auffassung sein.

  3. Gut gefallen hat mir auch die Glosse in der ZEIT:

    Was läge weiter von einander entfernt als die bunte Welt der Werber und die staubige Welt der Archive? Hier das Übermorgen, dort das Vorgestern, hier die Kreativdirektoren, dort die Karteikartenreiter, hier Photoshop-Triumphe, dort bröselnde Graumassen. Und doch – wie seltsam berühren sie sich manchmal diese Welten!

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